Das historische Schulwandbild von Hans Fischer-Schuppach in der Waldenserschule Palmbach, heute Badisches Schulmuseum Karlsruhe

Historisches Klassenzimmer im Schulmuseum Palmbach mit Wandgemälde

Das Wandgemälde "Palmbacher Märchenwelt", sowie das Historische Klassenzimmer im Badischen Schulmuseum wurden in den Jahren 2020 - 2021 von der Stadt Karlsruhe restauriert. Nach den Renovierungsarbeiten im Erdgeschoßklassenzimmer ist jetzt wieder der alte Holzboden aus der Zeit des Schulhausbaues (1902) zu sehen. Das Gemälde wurde von der Restauratorin Ute Schlee restauriert und für die heutige Präsentation gesichert.


Wandgemälde mit besonderer Geschichte

Das Wandgemälde „Palmbacher Märchenwelt“ ist ein bedeutendes Kunstwerk und Zeitdokument, das 1929 von dem damals 23-jährigen Kunststudenten Hans Fischer (später bekannt als Hans Fischer-Schuppach) geschaffen wurde. Es befindet sich im Erdgeschossklassenzimmer der ehemaligen Waldenserschule Palmbach, dem heutigen Badischen Schulmuseum, und bedeckt eine Fläche von etwa 10 Quadratmetern.

Vorgeschichte:

Das Schul- und Rathausgebäude wurde 1902 unter Bürgermeister Johann Wilhelm Kräutler errichtet. Das Rathaus wurde mit zwei Stockwerken, mit Dienstzimmern und Versammlungsraum sowie einer Lehrerwohnung gebaut. Die Angebaute Volksschule war einstöckig mit einem großen Schulsaal und einer Lehrerwohnung im Dachgeschoß. Dieser Schulsaal war damit nicht nur Unterrichtsraum, sondern bildete den Mittelpunkt des damaligen Schulbetriebs.

Fritz Wilkendorf leitete von 1923 bis 1930 als Hauptlehrer die Volksschule in Palmbach, die zu dieser Zeit eine zweiklassige Versuchsschule war. Wilkendorf wohnte während seiner Zeit als Palmbacher Lehrer in der Lehrerwohnung im Rathaus, wo ihn des öfteren der Dichter Heinrich Vierordt besuchte, mit dem er seit 1925 befreundet war. Der Lehrer Fritz Wilkendorf war ebenfalls ein bekannter Schriftsteller, Dichter und Hobbymaler. Er entwickelte die Idee, diesen Schulraum durch ein großes Wandgemälde künstlerisch aufzuwerten.

Eine wichtige Rolle bei der späteren Umsetzung spielte der Karlsruher Künstler und Professor Hans Adolf Bühler, der mit Fritz Wilkendorf gut bekannt war. Bühler war zu dieser Zeit Professor für Wandmalerei, Flächenkunst und Farbenlehre an der Kunstakademie Karlsruhe. Später war er Direktor der Kunstakademie Karlsruhe und Direktor der Badischen Kunsthalle Karlsruhe.

Die Idee eines Wandbildes entstand nicht völlig unvermittelt. In Palmbach hatte sich bereits seit den 1920er-Jahren eine bemerkenswerte Tradition von Kunstausstellungen im Schulgebäude entwickelt. Ein Bericht des Karlsruher Tagblatts vom 31. Dezember 1925 schildert beispielsweise eine Weihnachtsausstellung in der Palmbacher Schule. Neben dem ideellen Erfolg – insbesondere der Förderung des Heimatgefühls – habe sich auch ein materieller Erfolg ergeben: Es wurden Künstlerpostkarten, Drucke und sogar Ölbilder verkauft.

Auch in den folgenden Jahren fanden Ausstellungen statt. 1927 wurde in der Schule unter anderem eine Ausstellung mit Werken von Wilhelm Steinhausen, Hans Thoma und Ludwig Richter gezeigt. Diese Ausstellungen waren mehr als reine Veranstaltungen für Kunstinteressierte. Sie machten die kleine Dorfschule zu einem Ort, an dem Kinder, Eltern und die Bevölkerung mit zeitgenössischer Kunst in Berührung kamen. Damit war bereits ein Umfeld geschaffen, in dem die Idee eines eigenen großen Kunstwerkes für die Schule entstehen konnte.

Ein Schulwandbild soll entstehen

Der wichtigste Beleg für die Entstehungsgeschichte findet sich im Protokoll der Palmbacher Gemeinderatssitzung vom 5. Juni 1928. Dort heißt es unter Tagesordnungspunkt II:„Gemälde am Eingang der Volksschule betr.: Hauptlehrer Wilkendorf ersucht den Gemeinderat um Genehmigung zur Errichtung eines Gemäldes im Schulgang und zwar kostenfrei. Die Genehmigung hierzu wurde erteilt.“

Am 22. November 1928 unternahmen Palmbacher Eltern, Schüler und weitere Einwohner eine Fahrt nach Karlsruhe. Im Karlsruher Rathaus besichtigten sie die von Bühler gestalteten Wand- und Deckenbilder im Bürgersaal. Der Zeitungsbericht hält ausdrücklich fest, dass Bühler selbst die Besucher empfing und ihnen Wesen und Bedeutung seines Werkes erläuterte.

Um das Schulwandbild verwirklichen zu können, mussten mit Ausstellungen und Spenden zuerst die Finanzierung gesichert werden. Zur damaligen Zeit wurden Märchen als erzieherisch wertvoll eingestuft, so berichtete Wilkendorf später nach der Fertigstellung des Bildes.

Um das Gemälde finanzieren zu können, fand in Palmbach zwischen Weihnachten und Neujahr 1928 die fünfte Bilderschau der Landeskunstschule Karlsruhe im Schulgebäude statt. Diese wurden auch von Schulklassen besucht. (Siehe auch Zeitungsberichte unten). Zahlreiche Spenden von Freunden und Gönnern der Schule sowie ein Gemeindeabend sorgten für die notwendigen Gelder. Ob die früheren Bilderschauen auch zur Finanzierung des Wandbildes beigetragen haben, ist nicht bekannt. Auch die Kosten für das Gemälde, konnten bisher nicht ermittelt werden.

Folgende Bilderschauen wurden im Palmbacher Schulgebäude durchgeführt:

  • Dezember 1924: Erste Bilderausstellung in Palmbach.
  • Dezember 1925: "Deutschland - Vaterland" Ölbilder aus der näheren Heimat von Karl Brutzer und Steindrucke des Karlsruher Künstlerbundes.
  • Dezember 1926: "Hans-Thoma-Gedächtnisschau".
  • Dezember 1927: "Bilder der Bibel" - Eine Auslese von Steindrucken, Holzschnitten und Radierungen von Wilhelm Steinhausen, Hans Thoma und Ludwig Richter. Zu Verfügung gestellt vom Karlsruher Künstlerbund und der Volkskundlichen Buchhandlung.
  • Dezember 1928: Gemälde, Radierungen und Handzeichnungen von Professor Hans Adolf Bühler.

Die Entstehung des Wandbildes

Die Idee für das Märchenbild stammte von Fritz Wilkendorf. In der Badischen Schulzeitung vom 14. Dezember 1929 veröffentlichte er einen ausführlichen Bericht unter der Überschrift: „Das deutsche Märchen. Ein Schulwandbild.“ Wilkendorf beschreibt darin zunächst seine pädagogischen Vorstellungen. Die Schule sollte nicht nur ein Ort des Unterrichts sein, sondern ein freundlicher Lebens- und Arbeitsraum. Kunst sollte dabei eine unmittelbare Wirkung auf die Kinder entfalten. Nach der fünften Bilderschau sollte deshalb an der Rückwand des großen Schulsaales ein Märchenbild entstehen. Geplant waren zwölf der bekanntesten und bei Kindern beliebtesten Märchen der Brüder Grimm.

Hans Fischer – der junge Künstler

Mit der eigentlichen künstlerischen Arbeit wurde der damals erst 23-jährige Kunststudent Hans Fischer beauftragt. Hans Fischer wurde am 27. Mai 1906 in Fafe in Portugal geboren. Er wuchs später in Lörrach und Karlsruhe auf und studierte an der Badischen Landeskunstschule Karlsruhe. 1929 wechselte er nach Berlin. Später wurde er als Maler, Zeichner und Grafiker bekannt. Den Namen Fischer-Schuppach verwendete er erst etwa ab 1945. (LEO-BW). Für das Wandbild von 1929 ist deshalb historisch korrekt zunächst von Hans Fischer zu sprechen. Die spätere Bezeichnung Hans Fischer-Schuppach ist für seine Gesamtbiografie richtig, war aber 1929 noch nicht sein Name.

Für den jungen Künstler war es keine leichte Aufgabe, die schönsten Augenblicke der Märchen mit den entsprechenden Gestalten zu verbinden. Das Gemälde sollte nicht illustrieren, sondern teppichartig und lebendig wirken. Nach Berichten in den damaligen Tageszeitungen wurden als Hauptmotive zwölf volkstümliche Märchen der Brüder Grimm in das Bild aufgenommen. Die Märchenwelt wurde ergänzt durch Tiere und Insekten, erfundene Pflanzenformen, markante Palmbacher Gebäude wie Kirche und Rathaus sowie durch zahlreiche kleine und große menschliche Figuren in immer wieder wechselnden, bewusst unrealistischen Größenverhältnissen.

Obwohl Hans Fischer das Bild letztendlich als dichtes Wimmelbild ausführte und unzählige weitere Motive hinzudichtete, bildeten diese zwölf bekannten Erzählungen der Brüder Grimm das tragende Fundament, das Wilkendorf für den Schulunterricht vorsah: Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Dornröschen, Rotkäppchen, Aschenputtel, Tischlein deck dich, Rumpelstilzchen, Frau Holle, Der Wolf und die sieben jungen Geißlein, Rapunzel, Der Froschkönig, Die Bremer Stadtmusikanten. Fischer bettete diese Hauptmotive so geschickt ein, dass sie nicht als isolierte Einzelszenen nebeneinanderstehen, sondern fließend ineinander übergehen und mit der Palmbacher Landschaft (wie der Kirche und dem Rathaus) verschmelzen.

    Die Palmbacher Schüler als Modelle für das Wandbild

    Bei der Gestaltung des Wandbildes wurden die Schülerinnen und Schüler der Palmbacher Schule unmittelbar einbezogen. Nach dem zeitgenössischen Bericht von Hauptlehrer Fritz Wilkendorf dienten die Kinder dem jungen Künstler Hans Fischer als Modelle. Sie standen ihm einzeln Modell und wurden anschließend als Figuren in die märchenhafte Bildwelt eingefügt. Diese Überlieferung wurde auch durch Zeitzeugen aus Palmbach bestätigt, die selbst als Kinder dem Künstler Modell gestanden hatten. Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern um das Jahr 2015 bestätigten, dass die Kinder der Schulklassen 3 bis 8 einzeln zum Modellstehen herangezogen wurden.

    Damit enthält das Wandgemälde neben den Märchenfiguren auch ein Stück konkreter Palmbacher Schulgeschichte des Jahres 1929. Die Kinder, die damals im Schulhaus unterrichtet wurden, erscheinen nicht nur als anonyme Märchenfiguren, sondern wurden zu einem Teil der Geschichte dieses besonderen Kunstwerks. Mehr als die Hälfte der dargestellten menschlichen Figuren konnte inzwischen namentlich ehemaligen Palmbacher Schülerinnen und Schülern zugeordnet werden. Dadurch lässt sich bei einem großen Teil der Figuren nachvollziehen, welche Kinder dem jungen Künstler Hans Fischer damals Modell standen.

    Ein Beispiel dafür ist die hier dargestellte Familie Höger/Tron. Der Palmbacher Schüler Wilhelm Höger (1919–2018) ist als Flötenspieler im Wandbild überliefert. Seine spätere Ehefrau Luise (Liesl) Tron (1919–2013) wurde als Rotkäppchen dargestellt. Beide gehörten zu den Kindern, die Hans Fischer als Modelle verwendete.

    Gerade diese Personenzuordnungen geben dem Wandbild eine zusätzliche historische Dimension. Hinter den märchenhaften Figuren stehen reale Kinder aus Palmbach, die 1929 selbst die damalige Waldenserschule besuchten. Ihre Namen und Lebensdaten lassen sich heute teilweise durch Familienunterlagen, historische Fotografien und die örtliche Überlieferung mit den Figuren des Wandbildes verbinden. Das Bild zeigt somit nicht nur eine fantasievolle Welt aus Märchen, Tieren, Pflanzen und erfundenen Gestalten. Auch reale Menschen und markante Gebäude des damaligen Palmbach wurden darin aufgenommen. Rathaus, Schulhaus und Kirche sind Bestandteil der Darstellung. So verbindet das Wandgemälde die fantastische Welt der Märchen mit konkreten Personen und Orten aus dem Palmbach des Jahres 1929. Es bewahrt damit neben seiner künstlerischen und pädagogischen Bedeutung auch ein einzigartiges Stück örtlicher Schul- und Alltagsgeschichte.

    Nach der Fertigstellung sprach sich die besondere Gestaltung des Wandbildes weit über Palmbach hinaus herum. In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Kunststudenten, Vereine und Schulklassen im Rahmen von Schulausflügen in den kleinen Waldenserort, um das außergewöhnliche Kunstwerk zu besichtigen. Noch Jahrzehnte später erinnerten sich ältere Palmbacher mit Stolz daran, dass so viele Besuchergruppen eigens wegen des Schulwandbildes nach Palmbach kamen.

    1930 – Die früheste bekannte Fotografie des Wandbildes


    Aufnahme aus dem Jahre 1930 „Wandgemälde im Schulsaal“
    Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 498-1 Glasnegative Wilhelm Kratt (1887-1968) - Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Karlsruhe

    https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de 


    Historischer Kontext

    Für eine vollständige historische Einordnung des Themas ist auch ein Blick auf die späteren Biografien der beiden maßgeblich beteiligten Personen wichtig. Sowohl der Palmbacher Hauptlehrer Fritz Wilkendorf als auch der Karlsruher Kunstprofessor Hans Adolf Bühler standen später im Umfeld des Nationalsozialismus; beide wurden Mitglieder der NSDAP. Für Hans Adolf Bühler ist der Eintritt in die NSDAP zum 1. Dezember 1931 belegt. Bühler gehörte bereits zuvor der völkischen Bewegung an und übernahm während der NS-Zeit verschiedene kulturpolitische Funktionen.

    Auch Fritz Wilkendorf trat in den folgenden Jahren als Publizist und Vermittler nationalsozialistisch geprägter Kunstauffassungen hervor. So verfasste er 1936 eine Denkschrift zur „Bilderschau für Jugend und Volk“, in der er ausdrücklich von einer künstlerischen und „völkischen“ Erziehung der Bevölkerung sprach.

    Diese spätere politische Entwicklung gehört zur Geschichte und den Biografien der beteiligten Personen, ist jedoch zeitlich klar von der Entstehung des Palmbacher Schulwandbildes im Jahr 1929 zu trennen. Die zeitgenössischen Quellen von 1928/29 beschreiben die Entstehung des Bildes als Schulprojekt von Hauptlehrer Wilkendorf, dessen Finanzierung durch Ausstellungen und Spenden erfolgte und dessen künstlerische Umsetzung durch Hans Fischer unter Anleitung von Professor Hans Adolf Bühler erfolgte. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Entstehung des Wandbildes 1929 und der späteren nationalsozialistischen Tätigkeit der beiden Personen belegen diese Quellen nicht.


    Beschädigungen und Restaurierungen

    Während des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise der Nachkriegszeit wurde das Gemälde stark beschädigt. Ein Bericht der Badischen Neueste Nachrichten vom 26. Juni 1952 liefert hierzu einen wichtigen Beleg:

    Das Palmbacher Schulwandbild, das zwölf Grimmsche Märchen als Bildteppich auf 12 Quadratmeter vereinige und 1929 vom „ehemaligen Bühlerschüler Hans Fischer“ geschaffen worden sei, müsse nach starken Beschädigungen durch französische Besatzungstruppen vollständig erneuert werden. Ein Jahr zuvor wurde das bisher einstöckige Schulgebäude aufgestockt. Es erhielt ein zweites Klassenzimmer und im Dachgeschoß eine Lehrerwohnung.

    Hans Schöpflin – die zweite wichtige Künstlerpersönlichkeit

    Mit der Erneuerung wurde der Karlsruher Maler Hans Schöpflin beauftragt. Auch dies ist kunsthistorisch interessant. Schöpflin war selbst Schüler von Hans Adolf Bühler und später dessen Meisterschüler. Er arbeitete in den 1930er- und 1940er-Jahren auch eng mit Bühler zusammen.

    Damit gibt es eine bemerkenswerte Verbindung:

    1929: Hans Fischer – Schüler von Hans Adolf Bühler – schafft das Wandbild.
    1952: Hans Schöpflin – ebenfalls aus dem Umfeld Bühler – erneuert das schwer beschädigte Werk. Ob Bühler selbst an der Entscheidung für die Erneuerung beteiligt war, lässt sich aus den bislang bekannten Quellen dagegen nicht belegen.

    Danach geriet das Bild in Vergessenheit

    Bei der Schulrenovierung und Bau des Pausenraumes um das Jahr 1970 wurde das Schulwandbild mit Gipskartonplatten abgedeckt. Es wurden Holzleisten auf dem Bild angebracht und diese mit Dübeln verschraubt. Die darauf befestigten Platten wurden mit zu langen Nägeln auf die Holzleisten genagelt, was zu unterschiedlich großen Abplatzungen des Putzes führte. Über vier Jahrzehnte fristete das Gemälde hinter den Gipskartonplatten ein Schattendasein und geriet in Vergessenheit.

    Die Wiederentdeckung - 2014 zog das Badische Schulmuseum ein

    Als das Badische Schulmuseum neue Räumlichkeiten suchen musste, beschloß der Ortschaftsrat Wettersbach dem Schulmuseumsverein die leerstehende Waldenserschule im Palmbach als neues Domezil anzubieten. Während den Ausräum- und Einzugsarbeiten meldete sich ein Palmbacher Bürger beim damaligen Ortsvorsteher Rainer Frank und berichtet, dass sich an der Rückwand im Ergeschoßklassenzimmer ein großes Wandbild befinden soll. Der Ortsverwaltung war dies nicht bekannt. Daraufhin wurde in einer Ecke vorsichtig eine kleine Öffnung geschaffen und tatsächlich war in dem kleinen Holraum ein Bild zu sehen. Die Ortsverwaltung Wettersbach beauftragte daraufhin ein Stukatörunternehmen aus Stupferich den Wandvorbau mit den Riegipsplatten zu entfernen. So kam dan vergessenen Wandgemälde wieder zum Vorschein. Nach und nach meldeten sich Palmbacher Bürger, die hier zur Schule gingen und sich an das Schulwandbild erinnerten. Damit begann eine zweite Geschichte des Bildes: die wissenschaftliche Erforschung, Restaurierung und Identifizierung seiner zahlreichen Motive und dargestellten Personen.

    Bis auf die beschriebenen Ausbrüche, Bohrungen und einzelne Beschädigungen machte das Gemälde einen guten Eindruck. Das Gebäude aus heimischen Sandsteinen ist seit Jahren als Kulturdenkmal nach § 2 Denkmalschutzgesetz geschützt, auch das Wandgemälde erhielt nach seiner Entdeckung den Denkmalschutzstatus. 

    Zustand des Bildes nach der Wiederentdeckung und Freilegung im Jahre 2014:

    Palmbacher Märchenwelt

    Das Wandgemälde wurde daraufhin von der Bevölkerung „Palmbacher Märchenwelt“ genannt, da markante Palmbacher Gebäude und viele Palmbacher Schüler auf dem Bild zu sehen sind. Das ca. 6,30 Meter breite und 1,60 Meter hohe Wandgemälde mit einer durchgehenden Umrahmung ist heute eine historische Besonderheit im Erdgeschoß-Klassenzimmer der Waldenserschule. Im Stadtteil Palmbach lebte mit Wilhelm Höger noch bis zum Jahre 2018 ein Zeitzeuge (*1919), der damals dem Künstler als Schüler Modell stand und ausführlich über das Entstehen des Gemäldes berichten konnte. Alle eingezeichneten Personen konnten anhand eines Schulfotos und mit der Hilfe älterer Palmbacher Bürger namentlich benannt werden. Im Jahre 2017 besuchte die Tochter Irene des damaligen Künstlers das Badische Schulmuseum, um das Wandgemälde zu besichtigen.

    Die Restaurierung 2020/21

    Ute Schlee – die dritte Künstlergeneration

    Nach der Wiederentdeckung folgte in den Jahren 2020/2021 eine umfassende Restaurierung, nachdem vom Ortschaftsrat Wettersbach bereits im Februar 2018 die Restaurierung beschlossen hatte und von der Stadtverwaltung die finanziellen Mittel genehmigt wurden. 

    Dabei wurde auch das historische Klassenzimmer wieder stärker in seinen ursprünglichen Charakter zurückgeführt. Das Wandgemälde wurde von der Restauratorin Ute Schlee restauratorisch bearbeitet und für die heutige Präsentation gesichert. Nach der 1952 dokumentierten vollständigen Erneuerung nach Kriegsschäden wurde der Zustand des Bildes möglichst weit rekonstruiert und erhalten. Nach den Renovierungsarbeiten im Erdgeschoßklassenzimmer ist jetzt wieder der alte Holzboden aus der Zeit des Schulhausbaues zu sehen.

    Ein besonders wertvoller Blick auf die Geschichte des Wandbildes ergibt sich durch den Vergleich mit einer historischen Fotografie aus dem Jahr 1930. Die Aufnahme entstand nur etwa ein Jahr nach der Fertigstellung und dokumentiert damit einen sehr frühen Zustand des Werkes. Die Gegenüberstellung mit dem heutigen, nach der Restaurierung durch Ute Schlee aufgenommenen Zustand zeigt zunächst eine erstaunliche Kontinuität: Die grundlegende Komposition des Wandbildes ist über fast ein Jahrhundert hinweg weitgehend erhalten geblieben. Bereits auf der Aufnahme von 1930 sind die wesentlichen Elemente zu erkennen, die das Bild auch heute prägen: die große zentrale Pflanzenkomposition, der Kreis im oberen Mittelbereich, die Ritterfiguren, die zahlreichen Tiere und Vögel, die menschlichen Figuren sowie die Gebäude und die großen grotesken Gestalten auf der rechten Seite. 

    Schulwandbild nach der Restaurierung im Jahre 2021: (c) Foto Bildidee - Klaus Eppele

    Bericht im Wochenblatt Karlsruhe am 31.05.2018:  "Eine Märchenwelt braucht eine Renovierung - Blick in die Geschichte in Palmbach"

    Besonderheiten und lokales Zeitzeugnis

    Die ursprünglich in den Zeitungsberichten von 1929 genannten zwölf Märchen der Brüder Grimm bilden die Hauptmotive des Wandbildes. Sie sind eingebettet in eine weit umfangreichere Märchenlandschaft. Insgesamt wurden im Jahr 2026 vom Badischen Schulmuseum inzwischen 62 Märchenmotive im Bild identifiziert. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Ebenen der Betrachtung. Fischer hat die Geschichten nicht in Form einzelner, voneinander abgegrenzter Illustrationen dargestellt. Die Motive sind vielmehr ineinander verwoben. Eine Figur kann deshalb Bestandteil mehrerer Bedeutungsebenen sein. Einzelne Tiere, Gegenstände oder Pflanzen können auf ein Märchen verweisen, ohne dass die komplette Geschichte dargestellt wird. Genau diese künstlerische Konzeption macht das Bild bis heute zu einem Rätsel- und Forschungsobjekt.

    Die „Palmbacher Märchenwelt“ ist mehr als nur eine Märchensammlung; sie ist ein einzigartiges Zeitzeugnis mit starkem lokalem Bezug:

    Die Einbeziehung der Palmbacher Schüler und Gebäude

    Die herausragendste Besonderheit ist die Verwendung von Palmbacher Schülern der Klassen 3 bis 8 als Modelle für alle menschlichen Figuren im Bild. Diese Kinder (Geburtsjahrgänge 1916 bis 1921) standen dem Künstler einzeln Modell und wurden so lebensecht in die Märchenwelt integriert. Das Wandbild bietet dadurch eine einmalige Verbindung von Kunst und lokalem Alltagsleben und ist ein wertvolles Dokument für die Familienforschung.

    Fischer-Schuppach verortete die Märchenwelt direkt in Palmbach, indem er markante Gebäude des Dorfes in die Szenerie einfügte:

    • Der Kirchturm in der rechten Bildhälfte stellt die Palmbacher Kirche dar.
    • Das Gebäude mit dem roten Dach in der linken Bildhälfte repräsentiert das ehemalige Palmbacher Rathaus.

    Das Gemälde bleibt somit eine faszinierende Verbindung von Mythos und lokaler Identität und bietet auch heute noch unzählige Details zur Entdeckung und Interpretation.


    Protokoll der Gemeinderatssitzung am 05.06.1928 in Palmbach

    Transkribiert von Frau Trudel Zimmermann:
    Protokoll der Sitzung des Gemeindrates Palmbach am 05.06.1928: Anwesend Wilhelm Hailer (Bürgermeister), Johann Raviol, Ludwig Jourdan, Karl Kunzmann, Robert Baral, Ludwig Tron, August Löffler.
    TOP 2: Gemälde am Eingang der Volksschule betreffend: Hauptlehrer Wilkendorf ersucht den Gemeinderat um Genehmigung zur Errichtung eines Gemälde im Schuleingang und zwar kostenfrei. Die Genehmigung hierzu wurde erteilt.


    Alte Zeitungsberichte

    In den Jahren 1924 bis 1928 fanden Bilderausstellungen im Palmbacher Schulgebäude statt. Hier die Zeitungsberichte:

        

    Das Schulwandbild entsteht

    Hier die Zeitungsberichte vom April 1929:

    Badische Presse 20.04.1929Karlsruher Tagblatt 20.04.1929Badische Schulzeitung 14.12.1929 - Ausstellung


    Quelle Zeitungsberichte: Badische Landesbibliothek https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/search

    Fritz Wilkendorf berichtet in der "Badischen Schulzeitung" ausführlich über das Schulwandbild

    Badische Schulzeitung, Ausgabe Samstag, 14. Dezember 1929
    Vereinsblatt des Badischen Lehrervereins und Verkündungsstelle der Fürsorgevereine

    Das deutsche Märchen. - Ein Schulwandbild

    Durch die kunstunterrichtlichen Bestrebungen, die vor der Jahrhundertwende einsetzten, ist ein Zug in unser Schulleben gekommen, dessen Einfluss weit größer ist als man auf den ersten Blick annehmen möchte. Fast sämtliche Disziplinen des Formunterrichts: Sprache, Singen, Mimen, Zeichnen, Schreiben, Malen Formen, Turnen, können in gewissem Sinne als künstlerisch bezeichnet werden. Kein Mahnruf hat hierzu mehr angeregt, als Langbehns Buch „Rembrandt als Erzieher, von einem Deutschen”, ein Werk, dem Hans Thoma große Bedeutung zuschrieb. Langbehn forderte schon in den Gründerjahren eine Erziehung des Volkes zur und durch die Kunst. In weiterem Sinne ist nun die Erziehungs- und Unterrichtstätigkeit nichts anderes als ein Kunsthandwerk, das um so eindringlicher wirksam ist, je originaler es ausgeübt und gepflegt wird. Begünstigt ist heute diese unabweisbare stille Bewegung durch die bewusste Herausstellung des deutschen Kulturgutes, dessen gewissenhafte Pflege ist im unserer rein technisch materiell eingestellten Zeit, die sich eine einseitige intellektuelle Schule wünscht, ein starker Faktor gegen die drohende Materialisierung der Massen..

    Längst ist es erzieherischer Brauch, die Kirchen mit Werken der bildenden Kunst zu schmücken. Heute wird fast mehr Geld für die Ausstattung von Theatern und Kaffees verwendet. So lag der Gedanke nahe, aus dem Geiste der Schule ein Wandbild erstehen zu lassen. Sie soll eine Stätte echten Jugendlebens, kein kahler grauer Hörsaal, sondern ein freundlicher froher Arbeitsraum werden, in welchem das Kind acht lange Jahre lebensfördernde Eindrücke empfängt. Da erhob sich die entscheidende Frage: Was für ein  Bildvorwurf eignet sich wohl am besten für eine deutsche zweiklassige Landschule?

    Viele Erlebnisse und längere Erfahrung gaben uns, trotz mancher Bedenken, den Schlüssel in die Hand. Im deutschen Märchen fand die Kindesseele immer wieder Genugtuung. Die Stellung des Kindes zum Krongut dieser Kunst ist eine positive; denn der unbewusste Zug des Herzens entspringt einer inneren Notwendigkeit, Im Kindermärchen entsprechen Schauplatz, Gestalten und Handlungen stets seinen Träumen und Wünschen. Sie sind ihm ebenso Gleichnis, wie die Bibelgeschichte; denn den guten Menschen lässt die Märchenpoesie schön und anmutig erscheinen,die bösen aber sind „häßlich wie die Sünde”. Allerdings herrschen verschiedene Ansichten darüber, wie weit man Kinder in dieser Märchenwelt leben lassen soll. Auf jeden Fall aber sind die Märchen erzieherisch wertvoll. Sie wecken durchs Beispiel Liebe, Teilnahme, Mitleid, Aufopferungsfähigkeit  und Mut. Auch für die tieferen sittlichen Ideen sind die Kinder empfänglich. Sie lieben das. Mitleidige Sterntalermädchen und wären, wenn sich Gelegenheit böte, wohl auch bereit, alles herzugeben wie Peter Rosegger, der dem lieben Herrgott sein Sonntagsjöppel schenkte. Zudem sollen wir die Phantasie der Kleinen pflegen, weil aus ihr später ein großer Teil aller Produktivität steigt. Unsere Zeit ist leider so materiell eingestellt, daß der Gegenpol der idealen Kräfte, die im Märchen liegen, für das Kind notwendig ist. Zuletzt aber sei betont, was wie die Märchenerzählung so innig im Boden der Heimat wurzelt, was so unmittelbar der Volksseele entsprossen ist, das findet  starken Widerhall beim unverfälschten Menschen, beim Kinde.

    Alle diese Erwägungen und die gewisse Erfahrung, daß unverbildete Menschen oft leichter Kunstwerke erleben, als man in Fachkreisen annimmt, ließen den Entschluß reifen, nach unserer fünften Bilderschau an die Rückwand unseres großen Schulsaales ein Märchenbild malen zu lassen. Es soll zwölf der kindertümlichsten bekanntesten Grimmschen Märchen unter dem Titel „Das deutsche Märchen“ vereinigen. So war dem Künstler die keineswegs leichte Aufgabe gestellt, die schönsten Augenblicke, die sprechendsten Gestalten zu verknüpfen. Das große Bild sollte nicht illustrieren, sondern teppichartig war ein Gesamteindruck der Grimmschen Märchenwelt lebendig zu gestalten. Freunde und Gönner unserer Schule, sowie ein Gemeindeabend spendeten die notwendigen Gelder. Ein phantasiereicher Meisterschüler der Badischen Landeskunstschule, Hans Fischer, lieferte nach Angabe seines Meisters Prof. Hans Adolf Bühler, Karlsruhe, den zeichnerisch gelungenen Entwurf; die zu bemalende Wand umfaßte eine Fläche von zwölf Quadratmeter, sie ist gegen Feuchtigkeit und Sonne geschützt.

    Zum Schluß des Schuljahrs wurde unter großer Anteilnahme der Schuljugend das schöne Werk begonnen. Begeistert durfte sie Zeuge sein, wie so ein Wandbild entsteht. Die Durchführung gab ein von allen Schülern erlebtes Aufsatzthema. Nach wenigen Tagen hatten ABC-Schützen und Konfirmanden mit dem fleißigen jungen Malersmann Freundschaft geschlossen. Manchmal dienten die Kleinen und Großen in bester Weise als Märchenmodelle, so wurden viele Kinder für lange Zeit als Rotkäppchen, Aschenputtel, Hänsel und Gretel u. a. festgehalten. Da auch unser Rat- und Schulhaus und die Kirche in das freskoartige Bild hineingemalt wurden, bekam das Ganze eine persönliche und örtliche Note, die immer wieder die Teilnahme der Kinder weckt.

    Inmitten der sechs Meter langen Wandfläche überrascht im von Wunderpflanzen durchrankten Märchenwald ein geharnischter Ritter das schlummernde Dornröschen, über welchen farbenspendend die Sonne aufgeht. Rechts davon läßt Frau Holle das Pech auf die Pechmarie träufeln, während die fleißige goldbeladene Schwester davoneilt. Unweit daneben streiten die sieben Schwaben als neuzeitliche Spießbürger, sie schrecken vor einem galoppierenden Häslein bedächtig zurück. Unter ihnen schläft Schneewittchen im blauen Kristallsarg, der von Märchenblüten bedeckt und von Zwergen bewacht ist. Zur Seite tummelt sich neckisch ein großer Nußknacker, er bedroht breithandig einen unfolgsamen Palmbacher Schulbub. Rechts unten in der Ecke musizieren lustig die vier Bremer Stadtmusikanten. Das fleißige Aschenputtel sitzt am Bildrand und verliest die Linsen, zur Hilfe fliegen ihm drei weiße Täubchen zu. Auf der linken Wandhälfte erblicken wir Rotkäppchen mit dem Wolf, dahinter lauert der schlaue Fuchs. Abseits führt die alte Hexe den Hansel und die Gretel ins Knusperhäuschen, auf dem sich seltene Paradiesvögel niedergelassen haben. Ein Ritter mit buntem Federbusch hält an der Seite eines phantastischen Drachens treue Wacht, Aus dem nahen Schulhaus spazieren, den Ranzen auf dem Rücken, Schneeweißchen und Rosenrot im Sternenschein. Und versteckt im Walde erblickt man Brüderchen und Schwesterchen in dem Augenblick, wo das Mädchen sagt: „Sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmer verlassen.“ Durch den zauberumsponnenen Wald aber wandert allerlei Märchengetier: Bär und Einhorn, Hirsch und Reh, Pelikan undEule, Salamander und Frosch und Maus, Biene, Falter und Libelle. In der Mitte aber ringt sich vom Grunde die grünschillernde Märchenschlange.

    Nach sechs Wochen langer Arbeit ist das ganz auf die Kinder eingestellte farbenreiche Märchenbild, bei dem eine strenge klare Zeichnung Vorbedingung war, vollendet worden, zur großen Freude der Schuljugend, aber auch zur Zufriedenheit seiner Spender. Möge dieser Versuch vielleicht auch größeren Schulen Anregung bringen, unseren alten deutschen Märchenschatz auf diese eindringliche Weise in unseren Kindern wieder lebendig werden zu lassen. Heute ist dieses Kulturgut aus den Spinnstuben, von dem erwachsenen Volk, in dem es vor Zeiten entstand, nur noch unseren Kindern verblieben. Aber solange die deutsche Sprache gepflegt wird, sprudelt für unsere Jugend, wie aus einem reinen Bronnen die wertvolle seelische Nahrung: „Es war einmal …!“

    Fritz Wilkendorf, Palmbach.


    Einordnung des Zeitungsberichts "Badische Schulzeitung" vom 14.12.1929

    Der ausführliche Bericht von Hauptlehrer Fritz Wilkendorf, erschienen in der Badischen Schulzeitung vom 14. Dezember 1929, ist die wichtigste zeitgenössische Quelle zur Entstehung des Palmbacher Schulwandbildes. Wilkendorf schildert darin nicht nur die Idee und die pädagogischen Überlegungen hinter dem Bild, sondern auch dessen Planung, Finanzierung und künstlerische Umsetzung.

    Besonders wertvoll ist die detaillierte Beschreibung des fertigen Wandbildes. Wilkendorf benennt zahlreiche dargestellte Märchen, Figuren und Tiere und beschreibt deren Anordnung im Bild. Dadurch lässt sich heute nachvollziehen, welche Motive bereits unmittelbar nach der Fertigstellung wahrgenommen und mit bestimmten Märchen verbunden wurden.

    Der Bericht zeigt zugleich, welche Bedeutung das Wandbild für die damalige Schule hatte. Es sollte nicht lediglich ein dekoratives Kunstwerk sein, sondern den Kindern eine fantasievolle und anregende Lernumgebung bieten. Die Schülerinnen und Schüler waren unmittelbar in die Entstehung einbezogen und dienten teilweise als Modelle für die dargestellten Figuren. Auch das Palmbacher Rathaus, das Schulhaus und die Kirche wurden in die Märchenwelt aufgenommen.

    Damit ist der Bericht von 1929 weit mehr als eine Beschreibung eines Kunstwerks: Er ist ein unmittelbares Zeitdokument über die Entstehung, die pädagogische Zielsetzung und die ursprüngliche Wahrnehmung der „Palmbacher Märchenwelt“. Die vollständige Wiedergabe am Ende dieses Beitrags ermöglicht es, die damalige Darstellung im Original nachzulesen und mit dem heute erhaltenen Wandbild zu vergleichen. 


    Eine Entstehungsgeschichte in fünfzehn Daten

    Jahr/DatumEreignis
    1902 Bau des Palmbacher Rat- und Schulhauses
    1923–1930 Fritz Wilkendorf ist Hauptlehrer in Palmbach
    1924–1927 Kunstausstellungen in der Palmbacher Schule
    5. Juni 1928 Gemeinderat genehmigt auf Antrag Wilkendorfs die Errichtung eines Wandgemäldes
    22. November 1928 Palmbacher besuchen Bühler im Karlsruher Rathaus
    25.12.1928–01.01.1929 Fünfte Bilderschau mit Werken von Hans Adolf Bühler; Reinerlös für das Wandbild
    Anfang 1929 Hans Fischer entwirft das Märchenbild nach Angaben Bühler
    Frühjahr 1929 Fischer malt etwa sechs Wochen im Schulsaal
    19. April 1929 Wandbild fertiggestellt
    14. Dezember 1929 Wilkendorf veröffentlicht ausführlichen Bericht „Das deutsche Märchen. Ein Schulwandbild“ in der Badischen Schulzeitung
    1930 Fotografische Aufnahme des Wandbildes durch Wilhelm Kratt
    1952 Erneuerung durch Hans Schöpflin nach schweren Beschädigungen
    2014 Wiederentdeckung und Freilegung
    2020–2021 Restaurierung des Wandbildes durch Ute Schlee und Restaurierung des historischen Klassenzimmers
    heute 62 Märchenmotive durch das Schulmuseum identifiziert; weitere Erforschung und Dokumentation

     


    Zur Person Hans Fischer-Schuppach

    • Geboren 27.05.1906 als Hans Theodor Wolfgang Wilhelm Fischer in Fafe, Portugal. Der Vater war aus Lörrach und besaß in Fafe eine Spinnerei.
    • 1916 Umzug der Familie nach Lörrach, danach nach Karlsruhe
    • 1923-24 Volontär im Malersaal des Badischen Landestheaters
    • ab 1924 Studium an der Badischen Landeskunstschule bei Georg Scholz, Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Ernst Würtenberger
    • Frühjahr 1929: Schulwandbild „Palmbacher Märchenwelt“ in der Palmbacher Schule gefertigt
    • 1929 Fortsetzung des Studiums in den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin, Meisterschüler bei Hans Meid (Grafiker). Gemeinsam mit seiner Studienkollegin Hanna Nagel
    • 1931 Heirat mit der Künstlerin Hanna Nagel
    • ab 1934 Meisteratelier an der Akademie der Künste, Berlin. Erste Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt
    • 1935 Verleihung Rompreis (Prix de Rome)
    • 1938 Geburt der Tochter Irene
    • 1939 Umzug nach Heidelberg, Arbeit als freier Grafiker, wegen Ablehnung der nationalsozialistischen Kulturpolitik nur wenig Aufträge
    • nach 1945: Er nahm den Mädchennamen seiner Großmutter an, von nun an Fischer-Schuppach
    • 1947 Trennung von Hanna Nagel
    • Einzelausstellungen in Bremen, Kassel, Hamburg, Berlin, Mannheim, Darmstadt, BAD, Nürnberg und Heidelberg
    • gestorben am 01.05.1987 in Heidelberg

    Quellen und Literatur

    Zeitgenössische Quellen

    Gemeinderatsprotokoll Palmbach, 5. Juni 1928
    Gemeinderat Palmbach, Protokoll Nr. 155. Antrag von Hauptlehrer Fritz Wilkendorf auf Genehmigung eines kostenfreien Gemäldes im Schulgebäude.

    Karlsruher Tagblatt, 31. Dezember 1925
    Bericht über die Kunstausstellung in der Palmbacher Schule und deren ideellen und finanziellen Erfolg.

    Durlacher Tagblatt, 6. Januar 1928
    Bericht über die Ausstellung „Bilder der Bibel“ in der Palmbacher Schule.

    Karlsruher Tagblatt, 22. November 1928
    Bericht über den Besuch der Palmbacher in Karlsruhe und die Führung durch Professor Hans Adolf Bühler im Rathaus.

    Durlacher Tagblatt, 27. Dezember 1928
    Bericht über die fünfte Bilderschau in Palmbach; der Reinerlös war ausdrücklich für das geplante Wandbild bestimmt.

    Badische Schulzeitung, 22. Dezember 1928
    Karl Hößler: „Hans Adolf Bühler, ein badischer Maler. Zur Bilderschau der Palmbacher Schule.“

    Durlacher Tagblatt, 19. April 1929
    „Ein Schulwandbild“ – Bericht über die Fertigstellung durch Hans Fischer unter Anleitung von Hans Adolf Bühler.

    Badische Presse, 20. April 1929
    „Ein Wandbild für die Schule“ – Bericht über das sechs Wochen dauernde Projekt und die zwölf Grimm’schen Märchen.

    Badische Schulzeitung, 14. Dezember 1929
    Fritz Wilkendorf: „Das deutsche Märchen. Ein Schulwandbild.“ Die wichtigste zeitgenössische Quelle zur Entstehung, Konzeption, Finanzierung, Gestaltung und Nutzung von Kindern als Modelle.

    Badische Neueste Nachrichten, 26. Juni 1952
    Bericht über die Beschädigung und vollständige Erneuerung des Schulwandbildes durch Hans Schöpflin.

    BNN vom 07.08.2020
    Bericht über die Restaurierung durch Ute Schlee

    Weitere Quellen

    LEO-BW – Biografie Hans Fischer-Schuppach
    Biografische Daten zu Hans Fischer, seinem Studium in Karlsruhe, seinem Wechsel nach Berlin und seinem späteren Künstlernamen Fischer-Schuppach. (LEO-BW)

    Landesarchiv Baden-Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe
    Historische Aufnahme von 1930: „Wandgemälde im Schulsaal“, Glasnegativ von Wilhelm Kratt, Bestand 498-1. Die Aufnahme ist als früher fotografischer Beleg des Wandbildes überliefert. 

    Wikipedia

    „Kunstwerk des Monats“ Nr. 315 – Juni 2011 Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg

    www.deutsche-digitale-bibliothek.de

    Informationen von Frau Ute Schlee und verschiedenen Palmbacher Bürgern

    Zusammengestellt von Roland Jourdan