Vom Palmbacher Schultheißen zum Hirschwirt in Hohenwettersbach

Ein Beitrag zur Palmbacher Waldensergeschichte, zur Familiengeschichte Jourdan und zu den historischen Besitz- und Rechtsverhältnissen in Hohenwettersbach.
Siehe auch Bericht in den BNN vom 30.09.2026 "Ehemaliges Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach steht zum Verkauf - In Hohenwettersbach wird das ehemalige Gasthaus Hirsch verkauft. In dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1792 gibt es auf mehr als 500 Quadratmetern moderne Wohnqualität." 


Pierre Jean Jourdan sen. (1754–1828) und das historische Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach

Das historische Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach ist eng mit der Geschichte der Familie Jourdan aus Palmbach verbunden. Pierre Jean Jourdan sen. (RIN 3539), langjähriger Schultheiß von Palmbach, erwarb das Gasthaus und war dort als Hirschwirt tätig. Historische Zeitungsanzeigen, Kirchenbucheinträge und Urkunden geben Einblicke in sein Leben sowie in die Besitz- und Rechtsverhältnisse des Anwesens.

Passend zum Thema: "Eine besondere Begegnung nach 230 Jahren". Die Nachkommen von Waldenserpfarrer Daniel Mondon und dem Palmbacher Bürgermeister Pierre Jean Jourdan treffen sich nach 230 Jahren.

Ehemaliges Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach im Jahre 2013Ehemaliges Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach im Jahre 2013

Pierre Jean Jourdan sen. - Herkunft und Familie

Pierre Jean Jourdan sen. (RIN 3539) wurde am 30. April 1754 in Palmbach als Sohn von Jean Frederic Jourdan (*1718) und Susanne Jourdan (Jordan) (*1715) geboren. Sein Vater war Kirchenältester und Bürgermeister beziehungsweise Gemeinderechner. Pierre Jean hatte drei Geschwister, die alle bereits im Kindesalter verstarben.

Seine Großeltern väterlicherseits waren Jean Jourdan (1689–1754), der von 1725 bis zu seinem Tod Schultheiß von Palmbach war, und Jeanne Bonin (1690–1730). Die Familie stammte ursprünglich aus dem Piemont und gehörte zu den frühen Waldenserfamilien Palmbachs.

Am 24. November 1772 heiratete Pierre Jean Jourdan in Großvillars Marie Talmon (1750–1810). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, darunter Pierre Jean Jourdan jun., der ebenfalls Schulmeister und Schultheiß in Palmbach wurde, sowie Louis Jourdan, der später Bürgermeister in Großvillars war.

Nach dem Tod seiner ersten Frau und zwischenzeitlich Hirschen-Wirt heiratete er am 29. Juni 1811 in Hohenwettersbach Barbara Justine Eise (1773–1832). Ihr vorehelicher Sohn Johann Jakob Jourdan wurde bereits am 12. Mai 1800 in Hohenwettersbach geboren.

Pierre Jean Jourdan sen. war von 1774 bis 1801 Schultheiß von Palmbach und später Hirschenwirt in Hohenwettersbach. Er starb am 26. Februar 1828.

Sein Sohn Jean Pierre (Johann) wurde am 27.09.1781 auf dem Batzenhof geboren, dessen Frau Barbara Antoine GRÄßLE war Pächterin und  Wirtin des Batzenhaus (Batzenhof) bei Hohenwettersbach. 

15 Taufpatenschaften

Die Kirchenbucheinträge, ausgewertet nach dem Buch von Theo Kiefner, belegen, dass Pierre Jean Jourdan gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Marie Talmon zwischen dem 30. August 1775 und dem 9. Mai 1792 insgesamt 15-mal als Taufpate auftrat. In den Einträgen wurde Jourdan wiederholt als Sindic bezeichnet.

Unter den Familiennamen der Täuflinge finden sich neben bekannten Waldensernamen auch Namen wie Pfetschin, Hillerin, Cauvy, Fauser, Diterich, Piston und Lährin. Die zahlreichen Patenschaften dokumentieren die enge Einbindung des Ehepaars in das gesellschaftliche Leben Palmbachs. Die Gründe für die Übernahme der einzelnen Patenschaften sind nicht bekannt. Ob sie unmittelbar mit Jourdans Amt als Schultheiß zusammenhingen, ist nicht belegt.

Das Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach

Das ehemalige Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach, dessen Gebäude nach Angaben des Stadtarchivs Karlsruhe aus dem Jahr 1792 stammt, war ein größerer Wirtschaftsbetrieb. Der Grund und Boden gehörte dem Freiherrn von Schilling. Das Gebäude und die Nutzung der Gastwirtschaft unterlagen eigenen Besitz- und Rechtsverhältnissen.

Eine besondere Bedeutung hatte die Schildwirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch. Sie berechtigte zum Betrieb einer öffentlichen Gastwirtschaft und war vom Eigentum am Gebäude zu unterscheiden. Ihre rechtlichen Grundlagen standen im Zusammenhang mit einem markgräflichen Dekret vom 25. Juli 1787.

Die Versteigerung von 1801

Erste Hinweise auf den möglichen Erwerb des Gasthauses durch Pierre Jourdan finden sich in historischen Zeitungsanzeigen. Am 18. Dezember 1800 und 1. Januar 1801 erschienen im Badischen Anzeigenblatt Bekanntmachungen über die Verschuldung des damaligen Hirschenwirts Michael Füeß.

Für den 7. Januar 1801 wurde die öffentliche Versteigerung seiner Hirschenwirts-Behausung mit Scheune und Stallungen in Hohenwettersbach angekündigt.

Nach den bisherigen familiengeschichtlichen Erkenntnissen erwarb Pierre Jean Jourdan sen. das Anwesen im Zuge dieser Versteigerung. Ein Versteigerungsprotokoll oder ein zeitgenössischer Kaufvertrag, der den Zuschlag von 1801 unmittelbar bestätigt, liegt bislang jedoch nicht vor.

Der Erwerb ist spätestens durch einen Revers vom 24. Februar 1811 belegt. Darin wird Pierre Jourdan ausdrücklich als Bürger von Palmbach bezeichnet, der das Hirschwirtshaus in Hohenwettersbach gekauft hatte.

Die Aufenthaltsgenehmigung von 1811

Der Revers vom 24. Februar 1811, überliefert als Anlage einer achtseitigen Urkundenabschrift aus dem Jahr 1835, ist ein wichtiger Nachweis für Jourdans rechtliche Stellung. Obwohl er das Gasthaus in Hohenwettersbach erworben hatte, blieb er Bürger von Palmbach und benötigte eine gesonderte Genehmigung für seinen Aufenthalt am neuen Wohn- und Geschäftsort.

Die Genehmigung war mit mehreren Verpflichtungen verbunden. Jourdan musste sich der örtlichen Gerichtsbarkeit unterwerfen, die geltenden Polizei- und Ordnungsbestimmungen beachten und die örtlichen sowie grundherrschaftlichen Abgaben und Lasten entrichten. In den Unterlagen werden unter anderem Schutzgeld, Frongeld, Brunnengeld und Pfarrgeld genannt. Die genaue Höhe der einzelnen Abgaben lässt sich anhand der vorliegenden Abschrift nicht abschließend bestimmen.

Die Genehmigung war an den Besitz des Hirschwirtshauses gebunden. Damit wird deutlich, dass Gebäudeeigentum, Bürgerrecht, Aufenthaltsberechtigung und das Recht zum Betrieb einer Gastwirtschaft unterschiedliche Rechtsverhältnisse darstellten.

Wenige Monate nach Ausstellung des Reverses, am 29. Juni 1811, heiratete Jourdan in Hohenwettersbach Barbara Eise. Die Heirat festigte seine familiären Verbindungen zum Ort. Ob die Eheschließung eine Voraussetzung für die Aufenthaltsgenehmigung war, ist nicht nachgewiesen.

Finanzielle Schwierigkeiten und Versteigerungsankündigung

Auch Pierre Jourdan geriet später in finanzielle Schwierigkeiten. Am 4. März 1817 veröffentlichte das Karlsruher Wochenblatt eine Bekanntmachung über die Überschuldung des ehemaligen Palmbacher Bürgermeisters Jean Pierre Jourdan. Das darin angekündigte Gantverfahren diente der gerichtlichen Regelung seiner finanziellen Verhältnisse.

Am 29. Januar 1820 erschien eine weitere Bekanntmachung zur Versteigerung des Gasthauses Hirsch. Pierre Jourdan wurde darin als Hirschwirt genannt. Die ausführliche Beschreibung vermittelt ein Bild von der Größe und Ausstattung des Anwesens. Es umfasste ein zweistöckiges Wohn- und Gasthaus mit beheizbaren Gast- und Wirtszimmern, einen großen Tanzsaal mit Nebenzimmer, einen Wein- und Bierkeller sowie einen Grundbirnenkeller. Hinzu kamen zwei Küchen mit Backöfen, eine eigene Metzgerei, eine große Scheune mit steinernem Unterbau, Garben- und Futterkammern sowie Schweine- und Geflügelställe. Zum Anwesen gehörten außerdem ein großer Hofraum, Baum- und Grasgärten sowie Obstbäume.

Die Anzeige nennt auch die zugehörigen Grundstücke und Abgaben an den Grundherrn von Schilling. Das Anwesen vereinte somit Gastwirtschaft, Veranstaltungsräume, Metzgerei und landwirtschaftliche Einrichtungen. Ob die für 1820 angekündigte Versteigerung tatsächlich durchgeführt wurde, ist bislang nicht nachgewiesen.

Behördliche Auseinandersetzungen von 1821 bis 1824

Auch in den folgenden Jahren waren die Wirtschaftsrechte des Hirsch und des Batzenhofs Gegenstand behördlicher Vorgänge. Am 19. März 1821 wurden beim Großherzoglichen Oberamt Ansprüche auf die betreffenden Wirtschaftsgerechtigkeiten geltend gemacht.

Ein Erlass des Staatsministeriums vom 10. Oktober 1822 sowie ein weiterer Erlass vom 5. August 1824 werden in den Unterlagen ausdrücklich erwähnt. Letzterer betraf nach der späteren Darstellung des Freiherrn von Schilling das Schutzgeld. Am 30. September 1824 erfolgte eine weitere Eingabe an das Großherzogliche Oberamt. Auch historische Zeitungsbekanntmachungen aus dem Jahr 1824 weisen auf weitere Schuldensachen und Termine zur Anmeldung von Forderungen hin.

Die Vorgänge betrafen sowohl finanzielle Verpflichtungen als auch die grundherrschaftlichen Rechte an den Wirtschaftsgerechtigkeiten. Diese unterschiedlichen Sachverhalte sind voneinander zu trennen.

Der Verkauf an Christoph Eise 1825

Am 27. März 1825 wurde das Anwesen des Gasthauses Hirsch an Christoph Eise aus Hohenwettersbach verkauft. Die Verkaufsunterlagen beschreiben ein zweistöckiges Haus mit Keller, Scheune, Stallungen und vier Schweineställen. Zum Verkaufsgegenstand gehörte auch die Schildwirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch.

Der Kaufpreis betrug 910 Gulden. Der Grund und Boden blieb weiterhin Eigentum des Freiherrn von Schilling. Das Hofgerichtsurteil datierte vom 27. März 1825, die oberamtliche Ratifikation erfolgte am 2. April 1825. Eine beglaubigte Abschrift des Verkaufsvertrags wurde am 21. Januar 1895 bestätigt.

Eine weitere Versteigerungsankündigung vom 8. August 1825 ist ebenfalls überliefert. Ihr genauer Zusammenhang mit dem dokumentierten Verkauf ist jedoch noch ungeklärt.

Mit dem Verkauf an Christoph Eise endete Jourdans Verbindung zum Gasthaus als dessen Eigentümer beziehungsweise Betreiber. Ob Christoph Eise mit Barbara Eise verwandt war, ist anhand der bislang bekannten Angaben nicht sicher festzustellen.

Die grundherrschaftlichen Rechte – Urkundenabschrift von 1835

Ein Schreiben des Freiherrn von Schilling vom 16. Februar 1835 bildet einen wichtigen Teil der überlieferten achtseitigen Urkundenabschrift. Es erläutert die Entwicklung der Schildwirtschaftsgerechtigkeit und verweist auf das markgräfliche Dekret vom 25. Juli 1787 sowie auf behördliche Entscheidungen und ältere Vereinbarungen.

Die Wirtschaft zum Hirsch war in die grundherrschaftliche Ordnung eingebunden. Nach der Darstellung des Freiherrn von Schilling wurde bei einem früheren Hauskauf durch Peter Jourdan aus Palmbach kein zusätzlicher Pachtzins für die Konzession verlangt. Stattdessen war das Ohmgeld als Abgabe aus der Wirtschaft zu entrichten.

Die Unterlagen verdeutlichen die Unterscheidung zwischen dem Eigentum am Gebäude, dem grundherrschaftlichen Besitz des Bodens, der Schildwirtschaftsgerechtigkeit und den damit verbundenen Abgaben und Verpflichtungen. Der Verkauf des Gebäudes bedeutete daher nicht automatisch, dass sämtliche Rechte ohne weitere Bedingungen übertragen werden konnten.

Die Urkundenabschrift von 1835 verbindet die Vorgänge aus den Jahren 1787, 1811 und 1821 bis 1825 miteinander. Sie ist damit nicht nur eine Quelle zur Geschichte des Gasthauses, sondern auch zur damaligen Verwaltung, Rechtsordnung und den sozialen Verhältnissen der Karlsruher Bergdörfer.

Lebensende und historische Bedeutung

Pierre Jean Jourdan sen. starb am 26. Februar 1828 im Alter von 73 Jahren. Seine zweite Ehefrau Barbara Eise starb am 20. August 1832 in Hohenwettersbach.

Jourdan hatte über viele Jahre als Schultheiß die Entwicklung Palmbachs mitgestaltet und war durch seine zahlreichen Taufpatenschaften in das gesellschaftliche Leben der Waldensergemeinde eingebunden. Mit dem Erwerb und Betrieb des Gasthauses Hirsch weitete er seine wirtschaftlichen Aktivitäten auf Hohenwettersbach aus. Seine letzten Jahre als Gastwirt waren von finanziellen Schwierigkeiten und rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt.

Seine Lebensgeschichte verdeutlicht die engen familiären, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Palmbach und Hohenwettersbach im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Zugleich dokumentiert sie die damaligen Verhältnisse zwischen kommunaler Verwaltung, privatem Eigentum und grundherrschaftlichen Rechten.

Das ehemalige Gasthaus Hirsch ist damit nicht nur ein historisches Gebäude in Hohenwettersbach, sondern auch ein Zeugnis der gemeinsamen Geschichte der Karlsruher Bergdörfer und der Palmbacher Waldenserfamilien.

Eine persönliche Anmerkung

Pierre Jean Jourdan sen., der damalige Schultheiß von Palmbach, ist mein Vorfahr in siebter Generation. Heute bin ich, Roland Jourdan, Vorsitzender des Waldenservereins Palmbach e. V. und beschäftige mich intensiv mit der Geschichte unseres Waldenserortes.

Bei meinen Recherchen zur Familien- und Ortsgeschichte stoße ich immer wieder auf interessante Entdeckungen und unerwartete Zusammenhänge. Die Geschichte meines Vorfahren und des Gasthauses Hirsch in Hohenwettersbach ist ein Beispiel dafür, wie spannend die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit sein kann und welche neuen Einblicke sich dabei eröffnen.

(Zusammengestellt von Roland Jourdan)



Ausführlicher Bericht mit Angaben Eltern, Großeltern und Kinder, Patenkindern, Chronologische Zeittafel, Quellenbeschreibung und offenen Fragen:

 

1. Pierre Jean Jourdan sen. – Ein bedeutender Bürger der frühen Waldensergemeinde

Pierre Jean Jourdan sen. (RIN 3539) wurde am 30. April 1754 geboren und starb am 26. Februar 1828. Er gehörte zu den Nachkommen der Waldenserfamilien, die Palmbach nach der Gründung der Gemeinde im Jahr 1701 aufgebaut und geprägt hatten.

Nach den vorliegenden familiengeschichtlichen Aufzeichnungen war Jourdan von 1774 bis 1801 beziehungsweise nach Angaben des Wettersbacher Heimatbuchs bis 1802 Schultheiß von Palmbach. In anderen Zusammenhängen wird er als Bürgermeister oder Sindic bezeichnet. Das Amt des Schultheißen machte ihn zu einer zentralen Persönlichkeit des örtlichen Gemeindelebens. In dieser Funktion war er mit den örtlichen Verwaltungsaufgaben, der Vertretung der Gemeinde und den Angelegenheiten der Einwohner betraut. Seine langjährige Amtszeit fiel in eine Phase, in der die junge Waldensergemeinde ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen weiterentwickelte.

Dass Pierre Jourdan nicht nur innerhalb Palmbachs, sondern auch in den umliegenden Orten eine bedeutende Stellung einnahm, wird insbesondere durch seine späteren wirtschaftlichen Aktivitäten in Hohenwettersbach deutlich.

2. Familie und persönliche Lebensverhältnisse

Am 24. November 1772 heiratete Pierre Jean Jourdan im Alter von 18 Jahren Marie Talmon, die am 8. Februar 1750 in Großvillars geboren wurde. Sie starb am 13. Februar 1810 in Palmbach.

Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor. Das älteste Kind wurde am 22. Dezember 1773 geboren, das jüngste am 24. Dezember 1786. Das zweite Kind war Pierre Jean Jourdan jun.

Die Familie gehörte damit zu den etablierten Waldenserfamilien Palmbachs. Die Heirat mit Marie Talmon aus Großvillars verdeutlicht zugleich die familiären Verbindungen zwischen den Waldensergemeinden.

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Pierre Jean Jourdan am 29. Juni 1811 in Hohenwettersbach ein zweites Mal. Seine Ehefrau war die Witwe Barbara Eise (oder Eisin), geboren am 28. Januar 1773 und verstorben am 20. August 1832 in Hohenwettersbach. Bei der Eheschließung war Pierre Jourdan 57 Jahre alt, Barbara Eise 38 Jahre.

Barbara Eise war zuvor mit Matthäus Brädle verheiratet gewesen. Aus dieser ersten Ehe stammte ein Kind, das am 5. Mai 1808 geboren wurde. Darüber hinaus hatte sie einen vorehelichen Sohn, Johann Jakob Jourdan, der am 12. Mai 1800 in Hohenwettersbach geboren wurde und am 30. Mai 1842 dort starb. Johann Jakob heiratete Juliana Bossert, geboren am 23. Mai 1801. Ihr Sohn Johannes Jourdan kam am 5. Januar 1826 zur Welt.

Diese familiären Verbindungen sind für die Besitzgeschichte des Gasthauses von Interesse, da die Familie Eise sowohl durch die zweite Ehe mit Pierre Jourdan als auch durch den späteren Verkauf des Anwesens eine Rolle spielte.


Die Vorfahren von Pierre Jean Jourdan

Pierre Jean Jourdan (1c) hatte drei weitere Geschwister, die alle im Alter von zwei und drei Jahren verstarben.

1a. JOURDAN, Jean Jacques
* 28.07.1748 Palmbach
+ 18.07.1750 Palmbach

1b. JOURDAN, Jean Pierre
* 06.12.1751 Palmbach
+ 12.05.1754 Palmbach

1c. JOURDAN, Pierre Jean, Schultheiß und Hirschenwirt
* 30.04.1754 Palmbach
+ 26.02.1828 Palmbach
oo I. 24.11.1772 Grossvillars TALMON, Marie
oo II. 29.06.1811 Hohenwettersbach EISE, Barbara Justine

1d. JOURDAN, Jean

* 25.12.1756 Palmbach
+ 02.06.1759 Palmbach

1. Ahnenreihe (Vater und Mutter von Pierre Jean)

2. JOURDAN 2, Jean Frederic, ancien (Kirchenältester) und Bürgermeister (Gemeinderechner)
* 10.02.1718 Palmbach
oo 11.04.1747 Palmbach

3. JOURDAN 1, Susanne (Jordan), evangelisch
* 02.08.1715 Palmbach

2. Ahnenreihe  (Großeltern von Pierre Jean)

4. JOURDAN 2, Jean, Sindic (Schultheis) und Kirchenältester
* 20.03.1689 Château du bois, Frankreich
+ 19.03.1754 Palmbach
[] 21.03.1754 Palmbach
BIOGRAPHIE: Im Taufbuch von Palmbach befindet sich folgende Eintragung. „Die Herren Jean Jourdan und Pierre Bounin sind am Donnerstag, den 14.12.1724 zur Kollektensammlung in der Schweiz abgereist."
Sindic (Schultheiß) ab 1725 bis 1754
oo 14.04.1707 Auerbach, Baden

5. BONIN (K), Jeanne
* 12.04.1690 Roure, Piemont, Frankreich
~ 16.04.1690 Roure, Piemont, Frankreich
+ 29.03.1730 Palmbach
[] 31.03.1730 Palmbach

Das Ehepaar hatte sieben Kinder, von denen es bei fünf Söhnen Nachkommen gab. 

Jeanne wohnte in Kleinsteinbach oder Auerbach.
Quelle: Kiefner Band 5. Nr. 11a und FB K
Quelle: Kiefner Band 5. Nr. 2/11 und Stammbaum von Werner Jourdan
Quelle: - Ortsfamilienbuch Walldorf
prüfen Jourdan Jean:
Lt. AF Roland Köhler, Frankfurt: Geburt 06. Juni 1689 in Roure / Frankreich. Tod 18. April 1754 in Palmbach.
Lt. Familienbuch Walldorf: * 02.03.1689 in Castel del Bosco,Piemont. Getauft: 20.03.1689 in Castel del Bosco,10060,Torino,Piemont,ITALIEN,

6. JOURDAN 1, Jean (Jordan), 
* 1677 La Balme, Piemont, Frankreich
+ 05.10.1747 Palmbach
oo 04.05.1706 Simmozheim

GEBURT: OSB PA: 1684/1687, familysearch.org: 1687 geboren. (prüfen)
Quelle: Kiefner Band 5, Nr. 1/11 und www.familyseaech.de.

7. JOURDAN, Jeanne, 

* 29.08.1687 Gleisolle / Villaret, Piemont
~ 09.09.1687 Gleisolle / Villaret, Piemont
+ 28.10.1737 Palmbach

Das Ehepaar hatte drei Söhne und zwei Töchter, von einem Sohn und den zwei Töchtern gab es Nachkommen.

Laut Theo Kiefner Band 5 ist die Mutter von Jeanne:  Susanne, gestorben 02.02.1729 in Palmbach im Alter von 86 Jahren. Verheiratet mit Samuel Jourdan.
BIOGRAPHIE: Kam aus Neuhengstett/Simmozheim/Simmersheim ?
GEBURT: Nach www.familysearch.org:  Im Jahre 1685 geboren.

Quelle: Kiefner Band 5, Nr. 1/11a. und www.familyseaech.de.
Quelle: GedBas Wolfgang Trapp


Die Nachkommen von Pierre Jean JOURDAN:

1. JOURDAN, Pierre Jean, Bauer und Schultheiß in Palmbach, Hirschenwirt in Hohenwettersbach
* 30.04.1754 Palmbach
+ 26.02.1828 Palmbach

oo I. 24.11.1772 Grossvillars
TALMON, Marie
* 08.02.1750 Grossvillars
+ 13.02.1810 Palmbach

Quelle: Ortssippenbuch Großvillars
Quelle: - Ortssippenbuch Palmbach, Kiefner Band 5

oo II. 29.06.1811 Hohenwettersbach
EISE, Barbara Justine
* 28.01.1773 Hohenwettersbach
+ 20.08.1832 Hohenwettersbach

Quelle: .www.familysearch.org
Quelle: - Ortssippenbuch Hohenwettersbach
Quelle: Kiefner Band 5, Nr. 2/1123.

2. Generation

7 Kinder mit Ehefrau I.

2. JOURDAN, Jean Pierre
* 22.12.1773 Palmbach
~ 26.12.1773 Palmbach
+ 16.03.1774 Palmbach

Quelle: - www.ancestry.de

3. JOURDAN, Pierre Jean (Peter), evangelisch, Schulmeister + Sindic (Schultheiß)
* 17.02.1775 Palmbach
~ 21.02.1775 Palmbach
+ 08.10.1830 Palmbach

oo 03.03.1794

BRUN, Jeanne (Johanna)
* 29.11.1776 Palmbach
+ 18.01.1851
13 Kinder, von fünf Kinder gab es Nachkommen

Quelle: Kiefner Band 5, Nr. 2/1264.
Lt. Kiefner "Pierre", lt. ancestry.de "Jean Pierre".
Quelle: Auszug aus Taufregiste, Kiefner Nr. 2/11232.
Quelle: - www.ancestry.de

4. JOURDAN, Marie Magdalaine
* 18.01.1777 Palmbach
+ 14.09.1777 Palmbach

5. JOURDAN, Louis
* 17.07.1778 Palmbach
+ 23.05.1852 Grossvillars
Beruf: Bürgermeister (1810) und Schöffe (Gemeinderat) in Grossvillars

oo 18.07.1797 Grossvillars
GILLI, Jeanne Marie
* 17.02.1778 Grossvillars
+ 09.03.1832 Grossvillars

Acht Kinder, von einem Sohn und eienr Tochter gab es Nachkommen. 

Quelle: Kiefner S. 134.
Quelle: Ortssippenbuch Großvillars

6. JOURDAN, Jean Pierre (Johann), evangelisch, Bauer
* 27.09.1781 Batzenhof, Hohenwettersbach
~ 30.09.1781 Palmbach
+ 05.12.1819 Palmbach

oo 19.05.1805 Palmbach
GRÄßLE, Barbara Antoine, Pächter und  Wirtin Batzenhaus (Batzenhof)
* 01.12.1781 Niefern
+ 10.05.1853 Palmbach
GEBURT: Laut Kiefner am 30.01.1781 in Niefern geboren. (prüen)

Zwei Kinder.

Quelle: Familienbuch Gustav Ludwig.
Quelle: Kirchenbuch der Ev.Kirchengemeinde Palmbach
Quelle: - Ortssippenbuch Palmbach, Kiefner Band 5, Nr. 2/11235.

7. JOURDAN, Estienne

* 24.12.1786 Palmbach
+ unbekannt

Quelle: Kiefner Band 5. Nr. 11236

1 Kind mit Ehefrau II.

8. JOURDAN, Johann Jakob
* 12.05.1800 Hohenwettersbach (vorehelich)
~ 14.05.1800 Hohenwettersbach
+ 30.05.1842 Hohenwettersbach

oo 31.07.1825 Evang. Kirche Grünwettersbach
BOSSERT, Juliana
* 23.05.1801 Grünwettersbach
Ein Kind wurde 4 Monate alt.

Quelle: OFB Hohenwettersbach


3. Pierre Jourdan als Taufpate – Gesellschaftliche Stellung und Beziehungen

Eine bemerkenswerte Besonderheit in den Kirchenbüchern ist die große Zahl von Taufpatenschaften, die Pierre Jean Jourdan gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Marie Talmon übernahm.

Nach den Auswertungen aus dem Buch von Theo Kiefner war Pierre Jourdan zwischen dem 30. August 1775 und dem 9. Mai 1792 insgesamt 15-mal als Taufpate eingetragen. In den Einträgen wird er wiederholt als Sindic bezeichnet, teilweise ausdrücklich als mit Marie Talmon verheiratet.

Zu den Täuflingen gehörten:

Taufdatum

und Name des Täuflings

30.08.1775

 Charles Frederic Pfetschin

12.07.1776

 Marguerite Tron

22.06.1778

 Jacques Berger

15.02.1779

 Marie Marguerite Hillerin

22.03.1779

 Anna Marie Cauvy

19.07.1781

 Jean Pierre Roux

19.08.1781

 Jeanne Marie Fauser

25.10.1781

 Jean Pierre Brun

08.05.1782

 Ernst Pierre Diterich

20.06.1783

 Marie Marguerite Granget

14.12.1783

 Jean Frederic Jourdan

05.03.1788

 Jeanne Marie Piston

04.12.1789

 Christina Lährin

27.12.1789

 Catharine Roux

09.05.1792

 Eleonora Siglingen

Auffällig ist, dass sich unter den Täuflingen zahlreiche Familiennamen finden, die nicht zu den typischen ursprünglichen Waldenserfamilien Palmbachs gehören. Dazu zählen beispielsweise Pfetschin, Hillerin, Cauvy, Fauser, Diterich, Piston und Lährin.

Diese Patenschaften könnten auf ein weitreichendes gesellschaftliches Beziehungsnetz hindeuten. Als langjähriger Schultheiß und Sindic war Pierre Jourdan eine zentrale Person des Gemeindelebens. Es ist daher denkbar, dass er nicht nur aufgrund persönlicher Freundschaften, sondern auch aufgrund seines öffentlichen Amtes als Pate ausgewählt wurde.

Ob damit eine förmliche Verpflichtung des Schultheißen verbunden war, lässt sich aus den bislang bekannten Kirchenbucheinträgen jedoch nicht nachweisen. Ebenso ist nicht gesichert, ob alle genannten Familien tatsächlich zugezogene Einwohner waren. Die unterschiedlichen Nachnamen könnten auf Zuwanderung, Heiratsverbindungen oder weitere soziale Beziehungen innerhalb der Waldensergemeinde zurückzuführen sein.

Die hohe Zahl der Patenschaften innerhalb eines Zeitraums von knapp 17 Jahren zeigt jedoch, dass Pierre Jourdan und seine Ehefrau eine herausgehobene gesellschaftliche Stellung innehatten und in das soziale Leben der Gemeinde stark eingebunden waren.

4. Das Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach

Das ehemalige Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach zählt zu den historischen Gebäuden des Karlsruher Bergdorfs. Nach den Angaben des Stadtarchivs Karlsruhe stammt das Gebäude aus dem Jahr 1792. Es wurde in späteren Jahren umfassend saniert und durch einen Anbau ergänzt.

Das Haus ist ein Beispiel für die Bauweise und die wirtschaftlichen Verhältnisse eines größeren Gasthauses im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die erhaltenen historischen Beschreibungen vermitteln einen Eindruck von der Größe und Ausstattung des damaligen Betriebs.

Das Gasthaus verfügte über Wohn- und Gasträume, Wirtschaftsgebäude und umfangreiche Nebenanlagen. Neben der Bewirtung der Gäste waren offenbar auch landwirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten Bestandteil des Wirtschaftsbetriebs.

Die Geschichte des Hauses ist eng mit der grundherrschaftlichen Ordnung verbunden. Der Grund und Boden gehörte dem Freiherrn von Schilling, während das Gebäude und die wirtschaftliche Nutzung eigenen Besitz- und Rechtsverhältnissen unterlagen.

Eine besondere Rolle spielte dabei die sogenannte Schildwirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch. Sie berechtigte zum Betrieb einer öffentlichen Gastwirtschaft und war nicht automatisch mit dem Eigentum am Gebäude verbunden.

5. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Hirschenwirts Michael Füeß 1800/1801

Die ersten konkreten Hinweise auf den Übergang des Gasthauses in den Besitz von Pierre Jean Jourdan finden sich in historischen Zeitungsanzeigen aus den Jahren 1800 und 1801.

Am 18. Dezember 1800 sowie am 1. Januar 1801 erschienen im Badischen Anzeigenblatt Bekanntmachungen über die Verschuldung des damaligen Hirschenwirts Michael Füeß in Hohenwettersbach.

Am 7. Januar 1801 sollte dessen Anwesen öffentlich versteigert werden. Die Versteigerungsanzeige beschreibt eine Hirschenwirts-Behausung mit Scheune und Stallungen.

Historische Zeitungsanzeige vom Januar 1801

Die Bekanntmachung kündigte die öffentliche Versteigerung der Hirschenwirts-Behausung des Michael Füeß mit Scheune und Stallungen in Hohenwettersbach an. Die Versteigerung sollte unter Mitwirkung der zuständigen Verwaltung stattfinden. Die näheren Bedingungen waren bei der Verwaltung einzusehen.

Die Zeitungsanzeigen belegen die finanziellen Schwierigkeiten von Michael Füeß und die geplante Zwangsversteigerung des Gasthauses. Nach den bisherigen familiengeschichtlichen Erkenntnissen erwarb Pierre Jean Jourdan sen. das Anwesen im Zuge dieser Versteigerung.

Eine direkte Bestätigung des Zuschlags durch ein Versteigerungsprotokoll oder einen zeitgenössischen Kaufvertrag liegt bislang jedoch nicht vor.

Eine wichtige zusätzliche Bestätigung liefert allerdings die spätere Urkundenabschrift: Im Revers vom 24. Februar 1811 wird Pierre Jourdan ausdrücklich als Bürger von Palmbach bezeichnet, der das Hirschwirtshaus in Hohenwettersbach gekauft hatte.

Damit ist der Erwerb des Gasthauses durch Pierre Jourdan spätestens im Jahr 1811 urkundlich belegt. Die Verbindung mit der Versteigerung von 1801 ist historisch plausibel, aber der genaue Zeitpunkt und die Bedingungen des Erwerbs müssen weiterhin anhand der Originalunterlagen überprüft werden.

6. Vom Palmbacher Schultheißen zum Hirschwirt

Nach seiner langjährigen Amtszeit als Schultheiß beziehungsweise Bürgermeister von Palmbach verlagerte Pierre Jourdan einen Teil seiner wirtschaftlichen Tätigkeit nach Hohenwettersbach.

Das Wettersbacher Heimatbuch gibt an, dass er bis 1802 Schultheiß von Palmbach war und danach als Hirschwirt in Hohenwettersbach tätig wurde.

Die zeitliche Nähe zwischen dem Ende seiner Amtszeit und dem Erwerb des Gasthauses lässt einen Zusammenhang zwischen seiner bisherigen gesellschaftlichen Stellung und seiner späteren wirtschaftlichen Tätigkeit vermuten. Ein unmittelbarer Beleg dafür, dass er sein Amt gerade wegen des Erwerbs des Gasthauses niederlegte, ist allerdings nicht bekannt.

Der Wechsel vom Schultheißenamt zum Gastwirt bedeutete für Jourdan eine Veränderung seines beruflichen und gesellschaftlichen Lebens. Er blieb weiterhin mit Palmbach verbunden, baute aber zugleich wirtschaftliche Beziehungen in Hohenwettersbach auf.

Dass er in beiden Orten eine wichtige Stellung innehatte, zeigt sich auch an den späteren behördlichen Schriftstücken, in denen er als ehemaliger Schultheiß beziehungsweise als Hirschwirt bezeichnet wird.

7. Die Urkunde von 1811 – Bürger von Palmbach und Hirschwirt in Hohenwettersbach

Neuer urkundlicher Nachweis

Eine der bedeutendsten neuen Erkenntnisse ergibt sich aus der achtseitigen Urkundenabschrift, die im Zusammenhang mit der grundherrschaftlichen Angelegenheit von 1835 überliefert ist.

Die Abschrift enthält als Anlage einen Revers vom 24. Februar 1811. Ein Revers ist eine schriftliche Verpflichtungserklärung, in der eine Person bestimmte Bedingungen anerkennt und deren Einhaltung zusichert.

In diesem Dokument wird Pierre Jourdan ausdrücklich als ehemaliger Schultheiß und Bürger von Palmbach bezeichnet. Er hatte das Hirschwirtshaus in Hohenwettersbach gekauft und erhielt die Erlaubnis, sich dort aufzuhalten.

Die Urkunde zeigt, dass er durch den Erwerb des Gasthauses nicht automatisch das Bürgerrecht in Hohenwettersbach erhielt. Er blieb Bürger seiner Heimatgemeinde Palmbach und musste für seinen Aufenthalt in Hohenwettersbach eine gesonderte Genehmigung einholen.

Die Bedingungen der Genehmigung

Die Aufenthaltsgenehmigung war an mehrere Verpflichtungen geknüpft:

  • Pierre Jourdan musste sich der örtlichen Gerichtsbarkeit in Hohenwettersbach unterwerfen.
  • Er hatte die gewöhnlichen und außerordentlichen Abgaben und Lasten der dortigen Einwohner zu tragen.
  • Er musste die vorgeschriebenen örtlichen Abgaben wie Schutzgeld und weitere gemeindliche beziehungsweise grundherrschaftliche Leistungen entrichten.
  • Er hatte die örtlichen Polizei- und Ordnungsbestimmungen zu beachten.
  • Er musste sein fortbestehendes Bürgerrecht in Palmbach nachweisen.

Die Genehmigung war an seinen Besitz des Hirschwirtshauses gebunden. Sollte er das Anwesen verkaufen oder die Voraussetzungen für seinen Aufenthalt nicht mehr erfüllen, konnte die Genehmigung erlöschen. In diesem Fall war eine Rückkehr in seine Heimatgemeinde Palmbach vorgesehen.

Diese Regelungen machen deutlich, dass das Eigentum an einem Gebäude, das Bürgerrecht einer Gemeinde und die Aufenthaltsberechtigung unterschiedliche Rechtsverhältnisse darstellten.

Für die Ortsgeschichte ist diese Urkunde besonders wertvoll, weil sie die rechtliche Situation eines Palmbacher Bürgers dokumentiert, der außerhalb seiner Heimatgemeinde eine größere wirtschaftliche Tätigkeit ausübte.

Die Abgaben und Verpflichtungen

Im Revers werden verschiedene Abgaben und Leistungen genannt, darunter Schutzgeld, Frongeld, Brunnengeld und Pfarrgeld.

Diese Abgaben verdeutlichen, dass der Aufenthalt in Hohenwettersbach nicht nur eine behördliche Formalität war, sondern auch mit finanziellen und gemeinschaftlichen Verpflichtungen verbunden war.

Die genaue Höhe der einzelnen Abgaben sollte anhand des Originaldokuments noch einmal überprüft werden, da die vorliegende Abschrift in Teilen schwer lesbar ist.

Die Urkunde zeigt außerdem, dass die Genehmigung offenbar an die persönliche Zuverlässigkeit und die wirtschaftliche Grundlage des Antragstellers gebunden war.

Die besondere Bedeutung des Dokuments liegt darin, dass es Pierre Jourdan nicht nur als Besitzer eines Gasthauses, sondern auch als Palmbacher Bürger mit einer besonderen Aufenthaltsgenehmigung in Hohenwettersbach ausweist.

8. Die zweite Ehe mit Barbara Eise und die familiären Verbindungen nach Hohenwettersbach

Am 29. Juni 1811, wenige Monate nach Ausstellung des Reverses, heiratete Pierre Jean Jourdan in Hohenwettersbach Barbara Eise.

Dieser zeitliche Zusammenhang ist bemerkenswert. Die Aufenthaltsgenehmigung vom 24. Februar 1811 und die Eheschließung vom 29. Juni desselben Jahres fallen in eine Phase, in der Jourdan seine wirtschaftlichen und familiären Verbindungen nach Hohenwettersbach weiter festigte.

Barbara Eise stammte aus Hohenwettersbach und war dort bereits familiär verwurzelt. Durch die Ehe entstand eine weitere Verbindung zwischen der Familie Jourdan aus Palmbach und den örtlichen Familien in Hohenwettersbach.

Die Ehe mit Barbara Eise war für Pierre Jourdan auch deshalb von Bedeutung, weil sie ihn enger mit der örtlichen Bevölkerung verband. Seine Stellung als Hirschwirt, sein Aufenthalt und seine familiären Beziehungen waren nun dauerhaft miteinander verflochten.

Ob die Eheschließung eine Voraussetzung für seine Aufenthaltsgenehmigung war, lässt sich aus den bislang bekannten Dokumenten nicht ableiten.

9. Die Überschuldung von Pierre Jourdan im Jahr 1817

Trotz seiner Tätigkeit als Hirschwirt geriet Pierre Jean Jourdan später selbst in finanzielle Schwierigkeiten.

Am 4. März 1817 erschien im Karlsruher Wochenblatt eine Bekanntmachung über die Überschuldung des ehemaligen Bürgermeisters Jean Pierre Jourdan aus Palmbach.

Das sogenannte Gantverfahren war ein gerichtliches Verfahren zur Regelung der finanziellen Verhältnisse eines zahlungsunfähigen Schuldners. Dabei wurden die Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden, damit das vorhandene Vermögen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben verwertet oder verteilt werden konnte.

Die Bekanntmachung belegt, dass Jourdan zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage war, seine finanziellen Verpflichtungen ordnungsgemäß zu erfüllen.

Besonders interessant ist, dass er in der Anzeige als ehemaliger Bürgermeister von Palmbach bezeichnet wird. Dies zeigt, dass seine frühere öffentliche Stellung auch Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit noch ein wesentlicher Bestandteil seiner gesellschaftlichen Identität war.

Ob die Überschuldung unmittelbar mit dem Betrieb des Gasthauses zusammenhing, ist nicht abschließend belegt. Die späteren Versteigerungsanzeigen lassen jedoch erkennen, dass auch das Anwesen in Hohenwettersbach von finanziellen Schwierigkeiten betroffen war.

10. Die Versteigerung des Gasthauses im Jahr 1820

Am 29. Januar 1820 erschien eine weitere Bekanntmachung im Zusammenhang mit dem Gasthaus Hirsch in Hohenwettersbach. Darin wurde die Versteigerung des Wirtshauses angekündigt. Als Hirschwirt wurde Pierre Jourdan genannt.

Die Anzeige enthält eine ausführliche Beschreibung des Anwesens und seiner Ausstattung. Sie ist deshalb eine besonders wertvolle Quelle für die Wirtschafts- und Baugeschichte des Gasthauses.

Das Anwesen umfasste nach der Versteigerungsbeschreibung:

  • Ein zweistöckiges Wohn- und Gasthaus mit beheizbaren Gast- und Wirtszimmern
  • Einen großen Tanzsaal mit einem Nebenzimmer
  • Einen geräumigen Wein- und Bierkeller mit besonderem Butz- und Grundbirnenkeller
  • Zwei geräumige Küchen mit Backöfen
  • Eine eigene Metzgerei
  • Eine große neue Scheune mit steinernem Unterbau, Garben- und Futterkammern sowie angrenzenden Schweine- und Geflügelställen
  • Einen großen Hofraum mit Baum- und Grasgärten sowie nutzbaren Obstbäumen

Die Anzeige nennt außerdem die zugehörigen Grundstücke und Flächen sowie die jährlichen Abgaben, die an den Grundherrn von Schilling zu entrichten waren.

Die Beschreibung macht deutlich, dass es sich um einen umfangreichen Wirtschaftsbetrieb handelte. Das Gasthaus war nicht nur eine einfache Schankwirtschaft, sondern verfügte über die räumlichen Voraussetzungen für größere gesellschaftliche Veranstaltungen, insbesondere durch den Tanzsaal.

Die Verbindung von Gastwirtschaft, Metzgerei, Landwirtschaft und Tierhaltung weist auf einen Betrieb hin, der unterschiedliche wirtschaftliche Tätigkeiten miteinander vereinte.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Gasthauses

Der Tanzsaal dürfte für das gesellschaftliche Leben in Hohenwettersbach eine wichtige Rolle gespielt haben. Solche Räumlichkeiten dienten im 19. Jahrhundert häufig für Tanzveranstaltungen, Feiern und Zusammenkünfte.

Die eigene Metzgerei sowie die umfangreichen Wirtschaftsgebäude lassen vermuten, dass das Gasthaus in der Lage war, größere Gesellschaften zu bewirten und einen Teil seiner Versorgung selbst sicherzustellen.

Der große Hofraum und die Gärten boten zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten. Die landwirtschaftlichen Flächen und die Stallungen ermöglichten die Haltung von Nutztieren und die Bewirtschaftung der dazugehörigen Grundstücke.

Die Versteigerungsanzeige von 1820 liefert somit einen detaillierten Einblick in die wirtschaftliche Struktur eines größeren ländlichen Gasthauses.

Die Versteigerung und ihre Hintergründe

Die erneute Versteigerungsankündigung ist vor dem Hintergrund des bereits 1817 dokumentierten Gantverfahrens zu betrachten. Es liegt nahe, dass die finanziellen Schwierigkeiten Pierre Jourdans eine Rolle spielten.

Allerdings lässt sich aus der Versteigerungsanzeige allein nicht sicher ableiten, ob das Anwesen tatsächlich versteigert wurde oder ob die Versteigerung zunächst nur angekündigt war.

Die späteren Verkaufsunterlagen von 1825 zeigen, dass das Gasthaus zu diesem Zeitpunkt an Christoph Eise überging.

11. Weitere finanzielle Schwierigkeiten und behördliche Auseinandersetzungen 1821 bis 1824

Die Jahre nach der Versteigerungsankündigung von 1820 waren offenbar weiterhin von finanziellen und rechtlichen Schwierigkeiten geprägt.

Die Urkundenabschrift aus dem Jahr 1835 verweist auf mehrere behördliche Vorgänge, die sich mit den Wirtschaftsgerechtigkeiten zum Hirsch und zum Batzenhof befassten.

Am 19. März 1821 wurden beim Großherzoglichen Oberamt Ansprüche auf die betreffenden Wirtschaftsgerechtigkeiten geltend gemacht. In den darauffolgenden Jahren kam es zu weiteren Eingaben und staatlichen Entscheidungen.

Ein Erlass des Staatsministeriums vom 10. Oktober 1822 sowie ein weiterer Erlass vom 5. August 1824 werden in den Unterlagen ausdrücklich erwähnt. Letzterer betraf nach der späteren Darstellung des Freiherrn von Schilling allerdings das Schutzgeld und nicht unmittelbar die strittigen Wirtschaftsrechte.

Am 30. September 1824 erfolgte eine weitere Eingabe an das Großherzogliche Oberamt.

Zusätzlich weisen historische Zeitungsbekanntmachungen aus dem Jahr 1824 auf weitere Schuldensachen und Termine zur Anmeldung von Forderungen hin.

Die Vorgänge zeigen, dass die rechtliche und wirtschaftliche Situation des Gasthauses über mehrere Jahre hinweg Gegenstand von Auseinandersetzungen war.

Dabei müssen zwei unterschiedliche Sachverhalte auseinandergehalten werden: die finanziellen Verpflichtungen Pierre Jourdans als Eigentümer beziehungsweise Betreiber des Gasthauses und die grundherrschaftlichen Rechte an der Schildwirtschaftsgerechtigkeit.

Die Urkundenabschrift von 1835 ist besonders wertvoll, weil sie diese beiden Bereiche rückblickend voneinander abgrenzt. Sie ermöglicht damit eine genauere Einordnung der damaligen Streitigkeiten.

12. Der Verkauf an Christoph Eise im Jahr 1825

Durch Verkaufsunterlagen dokumentiert

Am 27. März 1825 wurde das Anwesen des Gasthauses Hirsch an Christoph Eise aus Hohenwettersbach verkauft.

Die Verkaufsunterlagen beschreiben das Anwesen als zweistöckiges Haus mit Keller, Scheune, Stallungen und vier Schweineställen. Zum Verkaufsgegenstand gehörte auch die Schildwirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch.

Der Kaufpreis betrug 910 Gulden.

Eine Besonderheit des Kaufvertrags bestand darin, dass der Grund und Boden weiterhin dem Grundherrn von Schilling gehörte. Verkauft wurden somit das Gebäude, die dazugehörigen Anlagen und die vertraglich geregelten Nutzungsrechte, während der Grundbesitz grundherrschaftlich gebunden blieb.

Die Verkaufsunterlagen enthalten zudem Hinweise auf die gerichtliche und behördliche Abwicklung. Ein Hofgerichtsurteil vom 27. März 1825 und eine oberamtliche Ratifikation vom 2. April 1825 werden darin genannt.

Der Vertrag wurde später durch eine Abschrift dokumentiert, deren Übereinstimmung mit der ursprünglichen Urkunde am 21. Januar 1895 bestätigt wurde.

Die Bedeutung des Verkaufs

Mit dem Verkauf an Christoph Eise endete die bisherige Verbindung zwischen Pierre Jourdan und dem Gasthaus Hirsch als Eigentümer beziehungsweise Betreiber.

Die Verkaufsunterlagen sind ein wesentlicher Beleg dafür, dass das Anwesen spätestens 1825 in andere Hände überging.

Bemerkenswert ist die familiäre Verbindung: Pierre Jourdan war seit 1811 mit Barbara Eise verheiratet. Ob Christoph Eise unmittelbar mit Barbara Eise verwandt war, lässt sich anhand der bislang vorliegenden Angaben nicht sicher feststellen.

Die Verbindungen zwischen den Familien Jourdan und Eise bilden jedoch einen interessanten Ansatzpunkt für weitere genealogische Forschungen.

Eine weitere Versteigerungsankündigung vom 8. August 1825 muss im Zusammenhang mit den Verkaufs- und Schuldensachen gesondert betrachtet werden. Ohne das zugehörige Versteigerungsprotokoll ist nicht sicher, ob sie sich auf dasselbe Anwesen und denselben Eigentümer bezog oder ob es sich um einen weiteren Vorgang handelte.

13. Die Schildwirtschaftsgerechtigkeit und die grundherrschaftlichen Rechte

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Urkundenabschrift von 1835 betrifft die rechtliche Stellung der Schildwirtschaft zum Hirsch.

Die Urkunde verweist auf ein markgräfliches Dekret vom 25. Juli 1787, mit dem die Wirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch geregelt worden war.

Die Schildwirtschaftsgerechtigkeit war ein besonderes Recht zum Betrieb einer öffentlichen Gastwirtschaft. Sie war nicht mit dem bloßen Besitz des Hauses gleichzusetzen.

Die Urkunden nennen neben der Wirtschaft zum Hirsch auch die Wirtschaft zur Kanne und die Wirtschaft auf dem Batzenhof. Die grundherrschaftlichen Rechte an diesen Wirtschaften waren offenbar Gegenstand gesonderter Vereinbarungen.

Freiherr von Schilling erläuterte in seinem Schreiben vom 16. Februar 1835, dass die Wirtschaft zum Hirsch zum Lehen gehörte. Bei einem früheren Hauskauf durch Peter Jourdan aus Palmbach sei jedoch kein zusätzlicher Pachtzins für die Konzession verlangt worden. Stattdessen sei lediglich das Ohmgeld als Abgabe aus der Wirtschaft zu entrichten gewesen.

Das Ohmgeld war eine historische Abgabe, die insbesondere mit dem Ausschank von Getränken verbunden war.

Diese Angaben verdeutlichen die unterschiedlichen rechtlichen Ebenen, die beim Betrieb des Gasthauses zu berücksichtigen waren:

  • Das Gebäude konnte sich im privaten Eigentum befinden.
  • Der Grund und Boden konnte weiterhin dem Grundherrn gehören.
  • Die Schildwirtschaftsgerechtigkeit unterlag einer gesonderten Verleihung und grundherrschaftlichen Regelung.
  • Für die Nutzung konnten Abgaben und weitere Verpflichtungen bestehen.

Diese Unterscheidung ist für die gesamte Besitzgeschichte des Gasthauses Hirsch von zentraler Bedeutung.

Sie erklärt auch, weshalb der Verkauf des Gebäudes nicht zwangsläufig bedeutete, dass sämtliche damit verbundenen Rechte ohne weitere Bedingungen auf den neuen Eigentümer übergingen.

14. Die Urkundenabschrift von 1835 – Rückblick auf die Besitz- und Rechtsverhältnisse

Das Schreiben des Freiherrn von Schilling vom 16. Februar 1835 bildet den dokumentarischen Abschluss der bislang bekannten Vorgänge.

In diesem Schreiben werden ältere Vereinbarungen, behördliche Entscheidungen und die Entwicklung der Wirtschaftsgerechtigkeiten rückblickend dargestellt.

Die Abschrift enthält mehrere Anlagen, darunter den Revers von 1811 und Unterlagen zu den früheren Besitz- und Rechtsverhältnissen.

Die Zusammenstellung zeigt, dass die Rechte an der Wirtschaft zum Hirsch über Jahrzehnte hinweg mit der grundherrschaftlichen Ordnung verbunden blieben.

Besonders aufschlussreich ist, dass die Urkunde die Vorgänge aus den Jahren 1787, 1811 und 1821 bis 1825 miteinander in Verbindung bringt.

Sie zeigt, dass die grundherrschaftliche Seite die Nutzung der Wirtschaft nicht allein als private Angelegenheit betrachtete, sondern weiterhin bestimmte Rechte und Verpflichtungen beanspruchte.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Pierre Jourdan trotz seiner wirtschaftlichen Tätigkeit in Hohenwettersbach weiterhin als Bürger von Palmbach galt.

Die Urkunde ist deshalb nicht nur ein Dokument zur Geschichte eines einzelnen Gasthauses, sondern auch eine Quelle zur Verwaltung, zur Rechtsordnung und zu den sozialen Verhältnissen der damaligen Bergdörfer.

15. Das Lebensende von Pierre Jean Jourdan sen.

Pierre Jean Jourdan sen. starb am 26. Februar 1828 im Alter von 73 Jahren.

Seine zweite Ehefrau Barbara Eise überlebte ihn um gut vier Jahre und starb am 20. August 1832 in Hohenwettersbach.

Pierre Jourdan hatte eine lange und wechselvolle Lebensgeschichte hinter sich. Er war in Palmbach aufgewachsen, hatte über Jahrzehnte das Amt des Schultheißen ausgeübt und war als Taufpate in das gesellschaftliche Leben der Waldensergemeinde eingebunden.

Später hatte er in Hohenwettersbach ein größeres Gasthaus erworben und war dort als Hirschwirt tätig. Seine Lebensgeschichte ist zugleich von finanziellen Schwierigkeiten und rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt.

Die wirtschaftlichen Probleme, die spätestens 1817 in einem Gantverfahren sichtbar wurden, begleiteten offenbar die letzten Jahre seiner Tätigkeit als Gastwirt.

Mit seinem Tod endete die persönliche Verbindung zwischen Pierre Jourdan und dem Gasthaus Hirsch. Das Anwesen war bereits 1825 an Christoph Eise verkauft worden.

16. Die historische Bedeutung für Palmbach und Hohenwettersbach

Die Geschichte von Pierre Jean Jourdan sen. verdeutlicht die engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Palmbach und Hohenwettersbach im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Palmbach war als Waldensergemeinde im Jahr 1701 gegründet worden. Die nachfolgenden Generationen entwickelten die Gemeinde zu einem eigenständigen Ort mit eigenen Verwaltungsstrukturen, familiären Netzwerken und wirtschaftlichen Aktivitäten.

Pierre Jourdan gehörte zu den Persönlichkeiten, die diese Entwicklung maßgeblich mitgestalteten. Seine langjährige Amtszeit als Schultheiß und seine zahlreichen Taufpatenschaften belegen seine zentrale gesellschaftliche Stellung.

Der Erwerb des Gasthauses Hirsch zeigt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten der Palmbacher Bürger nicht auf die eigene Gemeinde beschränkt waren.

Die besondere Aufenthaltsgenehmigung von 1811 macht zugleich deutlich, dass die damaligen rechtlichen Grenzen zwischen den Gemeinden eine erhebliche Bedeutung hatten. Ein Bürger konnte zwar in einem anderen Ort Eigentum erwerben und dort wirtschaftlich tätig sein, benötigte dafür aber unter Umständen besondere Genehmigungen und musste sich den örtlichen Abgaben und der Gerichtsbarkeit unterwerfen.

Die Geschichte des Gasthauses Hirsch ist damit auch ein Beispiel für die damalige Verbindung von privatem Eigentum, grundherrschaftlichen Rechten und kommunaler Verwaltung.

Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Bestandteil der gemeinsamen Geschichte der Karlsruher Bergdörfer.

17. Chronologische Übersicht

Jahr / Datum

Ereignis

30.04.1754

 Geburt von Pierre Jean Jourdan sen.

24.11.1772

 Heirat mit Marie Talmon aus Großvillars

1774–1801/1802

 Schultheiß beziehungsweise Bürgermeister von Palmbach

30.08.1775–09.05.1792

 Insgesamt 15 nachgewiesene Taufpatenschaften

25.07.1787

 Markgräfliches Dekret zur Schildwirtschaftsgerechtigkeit zum Hirsch

1792

 Baujahr des historischen Gebäudes laut Angaben des Stadtarchivs Karlsruhe

22.12.1773–24.12.1786

 Geburt der sechs Kinder aus der Ehe mit Marie Talmon

18.12.1800

 Zeitungsanzeige zur Verschuldung des Hirschenwirts Michael Füeß

01.01.1801

 Weitere Bekanntmachung zur Schuldenliquidation

07.01.1801

 Angekündigte öffentliche Versteigerung des Gasthauses von Michael Füeß

13.02.1810

 Tod von Marie Talmon in Palmbach

24.02.1811

 Revers und Aufenthaltsgenehmigung für Pierre Jourdan in Hohenwettersbach

29.06.1811

 Zweite Heirat mit Barbara Eise in Hohenwettersbach

04.03.1817

 Bekanntmachung über das Gantverfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister

29.01.1820

 Bekanntmachung zur Versteigerung des Gasthauses Hirsch mit ausführlicher Gebäudebeschreibung

19.03.1821

 Geltendmachung von Ansprüchen auf Wirtschaftsgerechtigkeiten

10.10.1822

 Staatsministerieller Erlass

05.08.1824

 Weiterer Erlass, unter anderem zum Schutzgeld

30.09.1824

 Weitere Eingabe an das Großherzogliche Oberamt

27.03.1825

 Verkaufsdatum des Anwesens an Christoph Eise

02.04.1825

 Oberamtliche Ratifikation des Verkaufs

24.12.1825

 Geburt von Johannes Jourdan

26.02.1828

 Tod von Pierre Jean Jourdan sen.

20.08.1832

 Tod von Barbara Eise

16.02.1835

 Schreiben des Freiherrn von Schilling zur Klärung der Rechtsverhältnisse

21.01.1895

 Bestätigung der Abschrift des Verkaufsvertrags

 

18. Quellen und weitere Forschungsmöglichkeiten

Die Rekonstruktion der Geschichte des Gasthauses Hirsch und der Familie Jourdan beruht auf mehreren unterschiedlichen Quellengruppen:

Kirchenbücher und genealogische Aufzeichnungen

  • Familiengeschichtliche Aufzeichnungen zu Pierre Jean Jourdan sen. (RIN 3539)
  • Taufeinträge und Patenschaften nach dem Buch von Theo Kiefner
  • Angaben zu den beiden Ehen und den Nachkommen der Familie Jourdan

Historische Zeitungsberichte

  • Badisches Anzeigenblatt vom 18. Dezember 1800 und 1. Januar 1801 zur Schuldenliquidation des Michael Füeß
  • Versteigerungsankündigung vom 7. Januar 1801
  • Karlsruher Wochenblatt vom 4. März 1817 zum Gantverfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister Jean Pierre Jourdan
  • Versteigerungsanzeige vom Januar 1820 mit der ausführlichen Beschreibung des Gasthauses
  • Weitere Bekanntmachungen zu den Schuldensachen und Versteigerungen in den Jahren 1824 und 1825

Urkunden und archivalische Unterlagen

  • Markgräfliches Dekret vom 25. Juli 1787 zur Schildwirtschaftsgerechtigkeit
  • Revers vom 24. Februar 1811 zur Aufenthaltsgenehmigung von Pierre Jourdan
  • Verkaufsunterlagen vom 27. März 1825 über das Anwesen an Christoph Eise
  • Schreiben des Freiherrn von Schilling vom 16. Februar 1835 mit den zugehörigen Anlagen
  • Bestätigung der Verkaufsabschrift vom 21. Januar 1895

Ortsgeschichtliche Quellen

  • Wettersbacher Heimatbuch
  • Angaben des Stadtarchivs Karlsruhe zum historischen Gebäude
  • Historische und aktuelle Beschreibungen des ehemaligen Gasthauses Hirsch

Für die weitere Forschung wären insbesondere das ursprüngliche Versteigerungsprotokoll von 1801, das markgräfliche Dekret von 1787 und die behördlichen Akten aus den Jahren 1821 bis 1824 von besonderem Interesse. Diese Unterlagen könnten zusätzliche Erkenntnisse über die genauen Erwerbsbedingungen, die grundherrschaftlichen Rechte und den Ausgang der gerichtlichen Auseinandersetzungen liefern.

19. Zusammenfassende historische Bewertung

Die Geschichte des Gasthauses Hirsch ist eng mit dem Leben und Wirken von Pierre Jean Jourdan sen. verbunden. Als langjähriger Schultheiß von Palmbach gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen Waldensergemeinde. Seine zahlreichen Taufpatenschaften zeigen seine gesellschaftliche Bedeutung und seine vielfältigen Beziehungen innerhalb der Gemeinde.

Mit dem Erwerb des Gasthauses Hirsch in Hohenwettersbach erweiterte er seine wirtschaftlichen Aktivitäten über die Grenzen Palmbachs hinaus. Die Versteigerungsanzeigen aus den Jahren 1800 und 1801 liefern wichtige Hinweise auf die Vorgeschichte des Erwerbs. Der Revers von 1811 bestätigt, dass Jourdan das Gasthaus spätestens zu diesem Zeitpunkt gekauft hatte.

Die Urkundenabschrift von 1835 eröffnet darüber hinaus einen vertieften Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen. Sie dokumentiert, dass Pierre Jourdan trotz des Besitzes des Gasthauses weiterhin Bürger von Palmbach blieb und für seinen Aufenthalt in Hohenwettersbach eine besondere Genehmigung benötigte. Zugleich macht sie deutlich, dass die Schildwirtschaftsgerechtigkeit ein eigenständiges, grundherrschaftlich geregeltes Recht war.

Die finanziellen Schwierigkeiten Jourdans, die 1817 durch ein Gantverfahren dokumentiert wurden, sowie die Versteigerungsankündigung von 1820 zeigen die wirtschaftlichen Herausforderungen, denen er sich als Gastwirt gegenübersah. Der Verkauf des Anwesens an Christoph Eise im Jahr 1825 markiert schließlich einen wichtigen Wendepunkt in der Besitzgeschichte des Gasthauses.

Die historische Bedeutung dieser Geschichte geht über die Biografie einer einzelnen Person hinaus. Sie zeigt, wie die Waldensergemeinde Palmbach in die regionale Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur eingebunden war und wie eng die Beziehungen zwischen den benachbarten Bergdörfern waren.

Das ehemalige Gasthaus Hirsch ist somit nicht nur ein historisches Gebäude in Hohenwettersbach, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis der Palmbacher Waldensergeschichte. Die Geschichte von Pierre Jean Jourdan sen. verbindet die Gemeindeverwaltung, die Familiengeschichte, die wirtschaftliche Entwicklung und die damaligen Rechtsverhältnisse zu einem anschaulichen Bild des Lebens in den Karlsruher Bergdörfern um 1800.

Redaktioneller Hinweis: Die Urkundenabschrift von 1835 belegt den Erwerb des Hirschwirtshauses durch Pierre Jourdan spätestens 1811 und den späteren Verkauf an Christoph Eise 1825. Der genaue Zuschlag bei der Versteigerung von 1801, die Identität des im Verkaufsnachweis genannten Peter Jourdan und der Ausgang einzelner späterer Versteigerungsverfahren sind noch nicht abschließend geklärt. Diese offenen Punkte sollten bei einer wissenschaftlichen Veröffentlichung entsprechend gekennzeichnet werden.

20. Eine persönliche Anmerkung

Pierre Jean Jourdan sen., der damalige Schultheiß von Palmbach, ist mein Vorfahr in siebter Generation. Heute bin ich, Roland Jourdan, Vorsitzender des Waldenservereins Palmbach e. V. und beschäftige mich intensiv mit der Geschichte unseres Waldenserortes.

Bei meinen Recherchen zur Familien- und Ortsgeschichte stoße ich immer wieder auf interessante Entdeckungen und unerwartete Zusammenhänge. Die Geschichte meines Vorfahren und des Gasthauses Hirsch in Hohenwettersbach ist ein schönes Beispiel dafür, wie spannend die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit sein kann und welche neuen Einblicke sich dabei immer wieder eröffnen.